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Ruhland, Köhler-Langsdorf & Co. : eine Streitschrift / von Dr. jur. et phil. Magnus Biermer, ordentlichem Professor der Staatswissenschaften an der Universität Gießen
Entstehung
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Ruhland ſpricht ſeine Meinung dahin aus,daß gerade das phyſiokratiſche Syſtem Quesnays uns eine große Zahl dau ernder nationalökonomiſcher Wahrheiten überliefert hat.

Sehr eingehend ſkizziert Ruhland das Syſtem ſelbſt. Unter den Zeitverhältniſſen, deren Einfluß den Phyſiokratismus bedingt hat, betont Ruhland die Verarmung der bäuerlichen Bevölkerung, die in jener Periode vor Ausbruch der franzö⸗ ſiſchen Revolution furchtbare Dimenſionen annahm. In Be⸗ ziehung hierauf heißt es dann:Das nationalökonomiſche Syſtem, welches ſolche Zeitverhältniſſe zum Ausgangspunkt hatte, war vor dem Irrtum ſicher, im Gelde und in einer blühenden Exportinduſtrie die Elemente des Glücks und der Wohlfahrt der Völker zu erblicken. Jetzt ging man viel mehr von der grundlegenden Frage aus:Wie muß die wirtſchaftspolitiſche Ordnung eines Landes beſchaffen ſein, um ein Volk auf gutem Boden, unter günſtigen klimatiſchen Verhältniſſen vor Not zu bewahren? Und die Antwort von Francçois Quesnay kam naturgemäß vor Allem zu der fundamentalen Bedeutung des gerade damals ſo ſehr ver⸗ achteten und bedrückten Bauernſtandes. Denn ſo ſagte Quesnaydie Wohlhabenheit, der Reichtum eines Volkes, ſetzt ſich zuſammen aus der Summe jener materiellen Güter, welche in der einen oder anderen Form dem Boden ent⸗ nommen ſind. Jede Vermehrung der Güter hat deshalb ein vermehrtes Schöpfen von Stoffen aus dem Boden zur Vor⸗ ausſetzung. Und nachdem dieſe Stoffe vom Boden losgelöſt ſind, kann im Weiteren die menſchliche Arbeit dieſelben zwar veredeln und verbeſſern für den Verbrauch, aber ſie kann ſie niemals vermehren. Die Arbeit von Gewerbe und Handel iſt deshalb nicht eigentlich produktiv. Volkswirtſchaftlich produk⸗ tiv iſt nur die auf den Boden verwendete Arbeit: die Land⸗ wirtſchaft, Forſtwirtſchaft, der Bergbau(2) und die Fiſcherei, oder in einem Wort: Die Urproduktion....Der Boden aber iſt deshalb die einzige und alleinige Quelle alles deſſen, was wir Güter und Reichtum nennen.