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Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen und ihre Umgebung : Gießener Verkehrshandbuch / [Hrsg.: Hermann Oesterwitz]
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Wanderungen durch die nähere Umgebung. 297

unter einem Propst und sechs Ritter unter einem Kommentur wohnen sollten. Das Nonnenkloster Cella erhielt aber seinen eigenen Propst und mußte die Hälfte seiner Güter an Schiffen- berg abtreten. Dadurch aber litt die Beschaulichkeit des Lebens sehr, mehr noch der Zuzug neu gewonnener Nonnen und Mitte Dezember 1449 konnte das Kloster mit seinem Rest von vier Nonnen überhaupt nicht mehr bestehen. Erzbischof Jakob von Trier verleibte es daher der Deutsch-Ordens-Kommende Schiffen- berg ein. Nach 1485 wird es gar nicht mehr erwähnt. Jetzt finden sich im Walde kaum noch schwache Fundamentreste desselben.

Die Kommenturei Schif- fenberg aber nahm zu an Reichtum und Ansehen; die alte Probstei(14. Jahrh.) mit ihrem Erker, mehr noch das viel jüngere Kommentur- haus sprechen dafür. Als aber am 24. April 1809 Napoleon im ganzen Ge- biete des Rheinbundes, zu dem Hessen ja auch ge- hörte, den Deutschen Orden aufhob, wurde die Kom- mende Schiffenberg Groß- herzogliche Domäne. Jetzt sind die weiten Räume mit den umliegenden Gütern verpachtet und es vergeht selbst im Winter selten ein Tag, wo nicht Gäste sich in den behaglichen Wirt- schaftsräumen niederlassen und erfrischen. Außen am Hause ist ein alter Stein mit dem Nordeckschen Wappen eingemauert mit Schiffenberg(Einfahrtstor) der Umschrift:Ludwig von;

Nordecken zu d rabeau

dutsch odes hat dit Hus gebuet anno 1493. An einigen Toren und Türen der Ställe, sowie am Brunnen hat sich der Kommentur Eugen von Dönhoff verewigt.

Von den anderen Herren, die nacheinander die Kommen- turei besaßen, sind in den noch vorhandenen Urkunden noch genannt: Ottmar von Gollen, Graf Diemar, Herr von Ellcker- hausen, Chr. Fr. von Brand.

Die sehr alte Kirche ist in der letzten Zeit aus ihrem früheren geradezu unwürdigen Zustand wenigstens einiger- maßen befreit worden. Haupt- und linkes Seitenschiff sind zu- eänglich; Querschiff und Chor zwar verschlossen, aber doch sichtbar und zu besichtigen. Freilich sind die Kanzel und andere Einrichtungen, die noch vor zwei Jahrzehnten vorhanden waren, auch unterdes verschwunden. Der Turm ist jetzt geschlossen. Hinter der Kirche liest der kleine Friedhof der Familie Lynker,

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