296 Wanderungen durch die nähere Umgebung.
Vor 700 Jahren und länger war die ganze weite Gegend
bis zur Lahn mit dichtem Walde bedeckt. Es war der Wiesecker
Wald, der den Grafen von Gleiberg gehörte; inmitten erhob sich die Skephenburg. Es könnte der Name abzuleiten sein von ahd. skeopa, Heerhaufen, wonach in altgermanischer Zeit hier ein starker Wachtposten die nahe gegenüber liegenden Römer bei Grüningen beobachtete, wahrscheinlicher aber ist, daß der Name Schiffenberg von Schöffenberg abzuleiten ist, daß also schon in vorgeschichtlicher Zeit hier eine Gerichtsstätte war. Auf dieser hervorragenden Höhe gründete die Gräfin Clementia von Gleiberg mit Zustimmung des Erzbischofs Meginer von Trier 1129 ein Augustinerkloster, dessen Kirche der Jungfrau Maria geweiht war. Von Anfang an wurde das neue Klostergut mit Rod- und Ackerland und Wiesen dotiert, und als die Stifterin Witwe geworden, wurden von ihr 1141 sechs auf Neubruch in der Nähe entstandene Dörfer der zur Pfarrkirche erhobenen Kapelle auf Schiffenberg inkorporiert. Die beiden Vettern der Stifterin, die Grafen Otto und Wilhelm von Gleiberg, bestätigten 1141 die Bestimmungen Clementias. Von den sechs Dörfern bestehen noch jetzt Steinbach, Watzenborn, Garbenteich. Am ältesten von ihnen ist das letztgenannte, urkundlich Gar- warteich, früher noch Gariwarseich, d. h. Eiche des Speer- wächters, oder Stelle, wo gegenüber dem Römerlager am Pfahl- graben ein germanischer Wachtposten stand.
Partie aus dem Forstgarten
1239 wird dann noch am Fuße des Berges ein Nonnenkloster Cella genannt, über dessen Gründungszeit nichts bekannt ist.
Doch mag es da in dem weiten Walde und fern von der strengen erzbischöflichen Aufsicht lustig genug hergegangen sein. So sah sich 1323 der Erzbischof Balduin von Trier genötigt, das Mönchskloster Schiffenberg wegen Zuchtlosigkeit der Mönche dem deutschen Ritterorden in Marburg zu übergeben. Die Bedingung, daß dieser 12 geistliche Ordensbrüder und darunter wenigstens sechs Priester zu Schiffenberg zu halten habe, wurde 1325 in der Art abgeändert, daß auf Schiffenberg drei Priester


