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Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen und ihre Umgebung : Gießener Verkehrshandbuch / [Hrsg.: Hermann Oesterwitz]
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Wanderungen durch die nähere Umgebung.

zeit von Kaiser Friedrich als der schönste Exerzierplatz Deutsch- lands bezeichnet. Auf dem hinteren nördlichen Teil finden sich zahlreiche germanische Grabhügel(Hünengräber), die aber allermeist schon seit Beginn des vorigen Jahrhunderts geöffnet und teilweise auch eingeebnet sind. Man fand Tonkrüge mit Asche, aber meist Scherben, wohl auch Bronzeschmuck und Waffen. Die meisten Funde aus früherer Zeit mögen ver- schleudert worden sein; doch finden sich Mitteilungen darüber in des Superintendenten Liebknecht„Hassia subterranea‘“ und in J. Webers ‚„Sentiments von den im Philosophischen Wäldchen eruierten Urnis. Gießen 1719“. Einiges in neuester Zeit daselbst Aufgefundene ist im Museum des Oberhessischen Geschichts- vereins aufbewahrt.

Am Rand des Trieb steht eine Wirtschaft mit Saal und Garten-Anlagen, die Liebigshöhe, das größte Saal-Etablissement in Gießens nächster Umgebung, die namentlich von Familien vielfach besucht wird und einen sehr angenehmen Aufenthalt darbietet In neuester Zeit hat dieselbe einen sehr rührigen Besitzer als Wirt erhalten, der dieselbe durch umfangreiche bauliche Erweiterungen zu einem feinen, besuchten und beliebten Ausflugsort für das bessere Publikum umgestaltet hat und ganz besonders besorgt ist, seinem Restaurant Ansehen und Achtung zu geben. Die schöne Lage mit der prächtigen Aussicht von der Terrasse aus kommt ihm dabei sehr zu Hülfe. Drei Tennis-Plätze bieten auch für diesen schönen Sport beste Gelegenheit.

Das weite eingefriedigte Gebiet mit dem unfruchtbarsten Kiesboden erhielt s. Zt. Prof. Justus Liebig von der Stadt Gießen zu sehr geringem Preise überlassen, um darauf seine agrikulturchemischen Theorien zu prüfen und in die Praxis der Landwirtschaft zu übersetzen. Der Mineraldünger, der das ersetzen sollte, was dem Boden in der Asche der Ernte entzogen worden war, sollte geprüft, seine Wirkung auf die verschiedenen Kulturpflanzen untersucht werden. Acker- und Gartenfeld, Wiese, Wald- und Weinberg wurden auf dem denkbar un- günstigsten Boden angelegt, wie wir sie jetzt noch sehen. Es waren Jahre ernstester Arbeit und größter Hoffnungen; aber Jahre schwerer Enttäuschung folgten darauf. Eine Wirkung des in einer schottischen Fabrik dargestellten Mineraldüngers war gar nicht nachzuweisen, oder sie kam so unmerklich langsam, daß er als unwirksam angesehen werden mußte. So entstand eine zehnjährige Pause in den Untersuchungen des großen Forschers, von welchen er noch sechs in Gießen zubrachte. Erst während seines Aufenthaltes in München, wohin er 1852 berufen wurde, löste sich das bis dahin unerklärte Rätsel. Er hatte, um ein Auslaugen des Bodens durch Regen usw. zu verhüten, die mineralischen Nahrungsbestandteile im Kunstdünger in möglichst unlöslicher Form bereiten lassen. Natürlich konnten sie da auch von der Pflanze nicht aufgenommen werden. In München erst fand Liebig, daß der Boden selbst die Fähigkeit hat, die wässerigen Lösungen der Mineralbestandteile test- zuhalten und an die Wurzeln der Pflanzen direkt abzugeben. Der Mineraldünger, der nach den Täuschungen auf der Liebigs- höhe und überall, wo er Verwendung gefunden hatte, in äußersten Mißkredit gekommen war, wurde nun auf einmal mit