Gießen nach Merian 1650
Geschichte der Stadt Gießen.
Bibliothekar Dr. Ebel-Gießen.
Bis zum Uebergang an Hessen.
Uralter Kulturboden ist es, auf dem unsere Stadt steht. Schon einige tausend Jahre, bevor ihr Name zum erstenmale in der Geschichte erscheint, ist die Gegend besiedelt gewesen. Die Ausgrabungen des letzten Jahrzehnts haben in dieser Be- ziehung ein ungemein reiches Beweismaterial zutage gefördert. Der Rodberg, der Trieb, die Lindener Mark bargen die Zeugen jener tausendjährigen Vergangenheit. Während auf dem Rod- berg bei der Anlage des neuen Friedhofs und gelegentlich in benachbarten Sandgruben Funde aus der späten La Tene- Periode, die sich ungefähr mit dem Beginn der römischen Kaiserzeit deckt, gemacht wurden, weisen die Siedelungen am Trieb, im Gießener Stadtwald und in der Lindener Mark ein weit höheres Alter auf. Und wenn es feststeht, daß in der Lindener Mark eine nicht unbedeutende prähistorische Ansiede- lung mehrere Jahrtausende hindurch ununterbrochen bestanden hat, so ist die Niederlassung, die im Gießener Stadtwald nach- gewiesen wurde, nicht minder alt und bedeutend gewesen. Hier erstreckt sich im Distrikt„Sandberg“ ein Grabfeld, einige hundert Meter lang und breit, das— dicht belegt— Gräber aus der Bronzezeit, der Hallstattzeit bis hinab in das merowingisch- fränkische Zeitalter umschließt. Unter diesen Gräbern aber, über die ganze Fläche hin verbreitet, fand man Reste der Kultur der Steinzeit. Auch den Namen des Ortes, zu dem das Gräber- feld gehört hatte, kennen wir heute. Es war das alte Urser-


