Theater und Konzerte.
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trag mit der Theaterdirektion Se Helm, laut dessen diese zwar die Vereinsvorstellungen gab, aber unter jedesmaliger Zu- ziehung eines oder mehrerer bedeutender Gäste. Die pekuniäre Unterstützung durch den Verein ermöglichte dann schritt- weise eine Verbesserung des darstellenden Personals wie des Zuschauerraums und der Ausstattungsmittel der Bühne, die in den folgenden Jahren auch zweimal eine Erweiterung erfuhr, sodaß man in die Lage kam, auch größere dramatische Werke zur Aufführung zu bringen. 1903 gelang es den Bemühungen = Vereins, eine Theater-Union mit der Stadt Marburg und dem Kurtheater in Bad-Nauheim herbeizuführen. Zur Leitung der vereinigten Theater wurde Direktor Hermann Steingötter berufen, und nun wurde sehr bald eine wesentlich höhere"Stufe der Kunst erreicht, sodaß der Wunsch nach einem auch den höchsten Ansprüchen genügenden besonderen Theatergebäude immer lauter wurde. Nachdem sich schon 1901 ein Komitee gebildet hatte, das die Baufrage betreiben sollte, aber seine Tätigkeit bald wieder einstellte, nahm der Theaterverein im Juli"1903 die Sache energisch w ieder auf. Es traten 40 Herren zusammen unter dem Namen ‚Theater- und Saalbau- u mit dem Kommerzienrat Heichelheim als Vorsitzenden und dem Universitäts-Professor Dr. Fromme als Schriftführer. Nach um- fangreichen Vorarbeiten beschloß dasselbe im Dezember 1903, Skizzen für ein Theater- und Saalbauprojekt anfertigen zu lassen und die Stadt Gießen um Hergabe des Schüler’ schen Gartens als Bauplatz zu ersuchen. Im Juli des folgenden Jahres liefen Skizzen ein von Professor Dülfer in München und von Architekt Meyer in Gießen, aber die Kosten dieses Gesamtprojekts waren so hoch, daß schon damals starke Zweifel bestanden, ob für beides, Theater und Saalbau, genügende Geldmittel aufzubringen sein würden. Da stellten im November 1904 drei hochherzige Bürger eine Summe von 130000 Mark zur Verfügung, und nun begann, nachdem auch die Hergabe des DABEI seitens der Stadt in Aussicht gestellt war, ein beispielloses Wetteifern in der Schenkung weiterer Gelder, derart, daß schon Ende Januar 1905 fast 300000 Mark beisammen waren. Im März beschlossen die Stadtverordneten, zwar nicht das ganze Projekt, für das die gestifteten Gelder nicht ausreichend erschienen, w ohl aber den Theaterbau allein zur Ausführung zu bringen, es wurde ein Preisausschreiben erlassen und von den eingereichten Plänen derjenige der Architekten Fellner und Hellmer in Wien und Meyer in Gießen den weiteren Planbearbeitungen und Beratungen zu Grunde gelegt. Im Herbst 1905 war der definitive Bauplan fertig, es begann der Abbruch der alten Schüler’schen Gebäude, die schwierige Fundamentierung geschah schon während des Winters 1905/06, und der Bau wurde so rasch gefördert, daß er schon im Spät- herbst 1906 unter Dach war und der innere Ausbau noch im Winter 1906/07 erhebliche Fortschritte machen konnte. Das Theater hat im Parkett und zwei Rängen usw. 800 Sitzplätze, enthält ein großes Vestibül und Foyer, versenktes Orchester für 40 Musiker, eine geräumige Haupt- und Hinterbühne, Maler- und Probesaal, große Kulissenräume, Bureauräume für die Direktion und eine Verwalterwohnung. Die neuesten Fortschritte der


