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Ueber die Bemerkungen in Bezug auf orientalische Sprachen / Dr. J.A. Vullers
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theologiſchen Profeſſoren verſtanden werden, da in einem ſolchen das Alte Teſtament nicht ſowohl ſprachlich als theologiſch erklärt wird, der Philolog aber es weder mit der katholiſchen noch evan⸗ geliſchen Theologie zu thun hat, ſondern nur mit der hebräiſchen Sprache als ſolcher. Es iſt vielmehr hier unter Exegeſe des Alten Teſtaments nur ein ſprachliches, in den Bereich der philo⸗ ſophiſchen Fakultät gehöriges Colleg zu verſtehen, worin der künf⸗ tige Fachlehrer im Interpretiren des Alten Teſtaments geübt wird und ſeine im vorhergehenden Semeſter erworbenen Kenntniſſe der hebräiſchen Grammatik anzuwenden und zu erweitern Gelegen⸗ heit hat.

An jedem Gymnaſium im Großherzogthum, ſagt der Hr. Verf. weiter, iſt eine Stelle mit einem der hebräiſchen Sprache kundigen Lehrer zu beſetzen; ſind dieſe wenigen Stellen zufällig alle mit jüngeren Lehrern beſetzt, ſo dauert es wahrſcheinlich eine ziemliche Zeit, ehe eine ſolche Stelle wieder eröffnet wird und bis dahin möchte wohl das in einem einzigen Eregeticum mit dem vorausgegangenen Sprachunterricht Erlernte ſo ziemlich verflogen ſeyn. Dann entſteht die Frage, wie viel von den ohne⸗ hin überlaſteten Philologen ſich einem Studium, das ihnen keine Ausſicht auf beſonderen Vortheil gewährt, unterziehen werden. Im Studienplan iſt keineswegs ausgeſprochen, daß demjenigen Lehrer, welcher den hebräiſchen Unterricht am Gymnaſium erthei⸗ len ſoll, jeder andere Unterricht verwehrt werde; es ſoll vielmehr, uach der gewöhnlichen Praxis auf Gymnaſien, jeder Lehrer neben ſeinem ſpeciellen Fache auch noch andere nebenbei übernehmen, und unter ſolchen Umſtänden kann die Anſtellung eines hebräiſchen Fachlehrers auch dann Statt finden, wenn zufällig das Hebräiſche von einem andern Lehrer noch vorgetragen wird. Uebrigens muß ſich jeder Aspirant zum Staatsdienſte das Abwarten einer Anſtellung gefallen laſſen und die Erfahrung lehrt noch täglich, daß gerade diejenigen Staatsämter, welche am ſtärkſten beſetzt ſind, mithin wenig Ausſicht zu einer baldigen Anſtellung geben, die meiſten Aspiranten haben. Auch wird die Beſorgniß des Hrn. Verfaſſers, die in zwei Semeſtern erworbenen Kenntniſſe der