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Ueber die Bemerkungen in Bezug auf orientalische Sprachen / Dr. J.A. Vullers
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wiſſe leicht Hebräiſch genug, um die Gymnaſiaſten darin unter⸗ richten zu können. Die natürliche Folge davon war, daß der eigentliche Zweck jener Vorſchrift großentheils nicht erreicht wurde, indem die Theologen bei ihrem Abgange von dem Gymnaſium entweder gar keine oder nur ſehr dürftige Kenntniſſe der hebräiſchen Sprache mitbringen. Dieſes hatte dann weiter zur Folge, daß diejenigen Abiturienten, welche eine oberflächliche Kenntniß der hebräiſchen Formenlehre ſich auf dem Gymnaſium erworben hat⸗ ten, einen weiteren akademiſchen Vortrag über hebräiſche Gram⸗ matik für überflüſſig hielten und ſo unfähig blieben, die Sprache des Alten Teſtaments gründlich zu verſtehen und die Exegeſe des⸗ ſelben mit Nutzen zu hören. Es lag deshalb im eigenen In⸗ tereſſe der Prüfungs⸗Commiſſion, bei der Abfaſſung des neuen Studienplanes gerade auf dieſen Zweig des Wiſſens ihr Augen⸗ merk zu richten und dem gerügten Mißſtande kräftig entgegen zu wirken. Das Geeignetſte war wohl, dafür zu ſorgen, daß künftig⸗ hin nur ſolchen Candidaten des Gymnaſiallehramtes der hebräiſche Unterricht auf Gymnaſien übertragen werde, welche die hebräiſche Sprache gründlich ſtudirt haben und eine geſchärfte ſchriftliche und mündliche Prüfung darin beſtehen können. Dieſer Zweck wird um ſo gewiſſer erreicht, wenn nur diejenigen dieſem Sprachſtudium ſich widmen, welche dazu Beruf haben, denn nur von ſolchen läßt ſich erwarten, daß ſie ſich eine gründliche Kenntniß der hebräiſchen Sprache erwerben werden. Es mußte deshalb im neuen Studienplan jedem frei geſtellt bleiben, Hebräiſch zu ſtudi⸗ ren, ſolchen aber, die das Hebräiſche künftig auf Gymnaſien lehren wollen, neben demſelben auch noch ein ſyriſcher und arabiſcher Curſus vorgeſchrieben werden. Die hebräiſche Sprache ſteht nämlich zu den beiden aramäiſchen Dialekten, dem Chaldäiſchen und Syriſchen und zu der arabiſchen Sprache in einem ſo nahen Verwandtſchaftsverhältniſſe, daß eine zur Erklärung der andern ſowohl in lexikaliſcher als grammatiſcher Hinſicht beiträgt und eine gründliche Kenntniß der hebräiſchen Sprache ſomit das Stu⸗ dium dieſer verſchwiſterten Sprachen bedingt. Von den aramäi⸗ ſchen Dialekten genügt es nur einen zu kennen, weil beide eigentlich