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Akademische Erinnerungen, kulturgeschichtliche Beiträge und Erörterungen / von Dr. jur. Ernst Klein
Entstehung
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Weine oder Champagner ganz ausnahmsweiſe. Wohnungen in den, oft ziemlich primitiven, aber billigen Stuben des alten Gießen. Ab- und Zu— gang zur Hochſchule meiſt mit dem„Familienwagen“(Omnibus), öfters in vergnügter Geſellſchaft auch per pedes. Ausgaben für das Corps ſpeciell(Beiträge ꝛc.) mäßig, ca. 36 fl. 61 M. 71 pro Semeſter, was auch minder mit„Wechſel“ Verſehenen die Zugehörigkeit zu einem Corps wohl geſtattete. Das Verhältniß zu den Bürgern(Philiſtern) im Allgemeinen ein Gutes; die Beziehungen zum„Hausphiliſter“ zumeiſt recht freundlich und anhänglich. Die Corps hielten in gemeinſamem S. 0.-Intereſſe, unbeſchadet der Rivalitäten im Einzelnen, zuſammen, wo nöthig gegen Bürger, Nichtcorpsſtudenten und namentlich gegen den Univ. Richter Trygophorus. Eifriges Paukverhältniß zwiſchen den Corps,

Ausführung— nachdem kreisamtlich die Pauklokale in den Räumen des Haardthofs(Fillmann) und bei H. Schiffer in Wieſeck unmöglich gemacht worden— mit Schwierigkeiten außerhalb Gießens, meiſt im

Walde(hinter dem Schiffenberg, hinter der Haardt, Ludwigsbrunnen, Eulenburg, Hungerhof bei Steinberg, Kinzebacher Mühle, Krofdorfer Wald, im Heßler ꝛc.). Zwei Füchſe„ſchleppten“ das Paukzeug(zwei chwere Ranzen, ſog.„Affen“) und Klingenvorrath, oft ſchon in der Nacht, an den Beſtimmungsort. Stete Nachſtellungen Seitens der Pedellen „Schnurren“) damals(wie es im bekannten Liede hieß): es war der Krämer, war der Fleiſcher, war der Gerbode, o weh, o weh, o weh, o du dicker Gerbode. Beim Abfaſſen öfters Springen der Paukanten und Sekundanten„im Wichs“ und ſchleuniges Salviren des Paukzeugs. Zur Einleitung von Paukereien dienten„Contrahagen“ auf Contrahir⸗Kneipen und Commerſen, wobei ſchlagfertige Aeußerungen und Witz mehr oder ninder zur Geltung kamen. Auf den Corpskneipen pflegte es„urgemüth⸗ ſich“ herzugehen, trotz anti⸗elektriſcher Beleuchtung bei„Gutlichtern“(Talg) zlund einfacher Ausſtattung(bei uns die 2 Fahnen von 1839, Wappen, 1egeth. Schild, je Farben, Wahlſpruch G. U. N.(gladius ultor noster), Denkmal von Armin, zwei verſchlungene Hände, Stiftungstag 1. VI. 39, das Transparent„Teut“(Bild E. v. Lichtenbergs, von Tr autſchold), Silhouetten und die vortrefflichen Bleiſtift-Zeichnungen älterer Corps⸗ burſchen von Ad. Müller I. Dem Geſang wurde auf der Kneipe gern gehuldigt(Commersbuch: Auswahl d. Lieder, Leipzig 1840, 44), beliebt namentlich„Seite 9“„ſtimmt an“,„auf ſchwärmt“,„auf ſinget“,„wohl ruf noch getrunken“,„aus Feuer ward“ ꝛc. und Anderes aus dem humo riſtiſchen Gebiet. Feierabendſtunde von den Pedellen ſcharf überwacht, um 11 Uhr„Kneipe ex“; früher noch„Farben ab“. Nur zweimal, Mittwochs und Samſtags, Kneipe, welche Beſchränkung einem Zuviel