Druckschrift 
Widerlegung der Bemerkungen des Großh. Hess. Geh. Raths Herrn Dr. A.A.E. Schleiermacher, über den für Aerzte und Wundärzte bestimmten Studienplan der Landes-Universität zu Gießen / von Dr. Adolph Wernher, ordentlichem Professor der Wundarzneikunde, Direktor der chirurgischen Klinik
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

15

wohl ihre eigene Sache. Immerhin iſt es weniger zu verwun⸗ dern, daß Leute ohne vollſtändige Schulbildung ſich dieſer Bran⸗ che widmen, in der Hoffnung die Maturität ſpäter nachzuholen und in die erſte Klaſſe vorzurücken, als daß, mit gehörigen Vor kenntniſſen verſehene junge Männer, eine ſo undankbare Lauf bahn, wie die eines Thierarztes ſelbſt in Städten iſt, beginnen mögen. Da die Thierärzte zweiter Klaſſe dieſelbe praktiſche Be⸗ fugniſſe haben, wie die Thierärzte erſter Klaſſe, ſo werden ſie auch in denſelben Lehrgegenſtänden unterrichtet, mit Ausnahme derjenigen, welche zum eigentlichen Staatsdienſte qualificiren, zu welchen ſie nicht genöthigt ſind.

Nach dieſen Bemerkungen ſind die Chirurgen und die Thier⸗ ärzte zweiter Klaſſe nicht durch den Studienplan ins Leben gerufen worden, ſondern derſelbe hat ſich den, in der Medicinal⸗Ordnung über ſie beſtehenden Beſtimmungen, nur angepaßt. Läßt die Medicinal⸗Ordnung die Wundärzte fallen, ſo verſchwindet auch von ſelbſt der für ſie beſtimmte Theil des Studienplanes.

Ich wende mich nunmehr zu den einzelnen Ausſtellungen, welche der Herr Recenſent gegen die einzelnen Beſtimmungen des Studienplanes für Wundärzte erhebt. Ich folge dabei wieder der Reihenfolge, die er ſelbſt eingeſchlagen hat, mich be⸗ mühend Nichts von Wichtigkeit zu übergehen.

Den Wundärzten iſt ein beſonderer Vortrag über Phyſio⸗ logie vorgeſchrieben. Herr Schleiermacher fragt, welche Theile der Phyſiologie dem Wundarzte unnöthig ſeyen, etwa die ſpeculative, naturphiloſophiſche Phyſiologie, mit der auch die zukünftigen Aerzte verſchont bleiben könnten. Wenn Herr Schleiermacher die Kenntniſſe, welche der Chirurg auf die Univerſität mit bringt und die er dort weiter erhält, ſowie die Stellung, welche er ſpäter im Leben einzunehmen beſtimmt iſt, etwas näher ins Auge gefaßt hätte, ſo würde er ſeine Frage wohl unterlaſſen haben. Es würde ihm nicht entgangen ſeyn, daß für junge Männer mit vollſtändiger Schulbildung, mit ge⸗ hörigen Vorkenntniſſen in Phyſik, Chemie, Zoologie und Bota tanik, beſtimmt dereinſt die geſammte ärztliche Praxis auszuüben