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Feier des fünfzigjährigen Dienst-Jubiläums des Geheimenraths und Professors Dr. Ferdinand August Maria Franz von Ritgen zu Gießen
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Ich ſehe Söhne, ich ſehe Brüder vor mir. Die Kinder ſind dem Vaterherzen die nächſten, und ſo wende ich mich zunächſt an Sie. Söhne nenne ich alle meine theuren Schüler, berechtigt durch meine Liebe zu ihnen; aber auch, ich darf es ſagen, berechtigt durch ihre Liebe zu mir, von welcher Sie mir den neueſten, tiefrührenden Beweis geben.

Nicht nur die jüngern dieſer meiner Söhne begrüßten und be⸗ ſchenkten mich Geſtern und Heute; auch von den älteren, die zu meinen Brüdern geworden ſind, eilten alle herbei, welchen die Pflichten des Arztes nicht geboten, fern zu bleiben. Auch Sie brachten mir, im eige⸗ nen Namen und im Namen der Ferngehaltenen, Grüße und Geſchenke.

Allen bringe ich Worte des heißeſten Dankes!

An Sie nun, meine Brüder, die wir derſelben lieben Mutter, unſerer Mma mater Ludoviciana, angehören, richte ich meinen Dank. Sie haben mir die Erfüllung des mir zufallenden Theils unſerer ſchönen Pflichten gegen dieſe altehrwürdige Mutter durch Ihr Zuvorkommen, durch Ihre Nachſicht, durch Ihre Belehrung, durch Ihre Mithülfe, durch Ihre aufmunternde Anerkennung meiner Beſtrebungen, beſonders aber durch ihre brüderliche Zuneigung, möglich, leicht und zum höchſten amtlichen Lebensglück gemacht. Dieſe liebevolle brüderliche Treue ha⸗ ben Sie in feierlicher Urkunde ausgeſprochen, in Denkmalen verewigt, die den theuerſten Familienſchatz meiner Nachkommen für alle Zeiten bil⸗ den werden. Sie rufen mich, in dieſer feſtlich geſchmückten Halle, zum Brudermahle, und mein Sohn und Bruder, an der Spitze der näch⸗ ſten Brüder, giebt Ihren Wünſchen für mich begeiſterte, mich entzückende, aber nur zu unverdient erhebende, unvergeßliche Worte.

Die Größe meines Danks läßt mich verſtummen, nehmen ſie ihn, als aus tiefſter Seele geſprochen, an!

Auch grüße ich, als Brüder im gelehrten Berufe, Sie, die ſehr verehrten Vorſtände und Glieder der übrigen höheren, in unſerer Muſen⸗ ſtadt blühenden Unterrichtsanſtalten. Ich danke Ihnen auf das Herz⸗ lichſte, daß Sie mir Heute Glück wünſchten und daß Sie hier um mich

verſammelt ſind.