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An den Herrn Bischof von Mainz, Wilhelm Emmanuel von Ketteler : Erklärung / des Prof. Dr. Lutterbeck an der Universität zu Gießen
Entstehung
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Dagegen bezeichnen Sie dieſe Erziehung in einer Reihe von Stellen, namentlich S. 18 24 Ihrer Schrift als eine verwerf⸗ liche, wodurch das Recht Unmündiger ſyſtematiſch gekränkt, die freie Selbſtbeſtimmung in Erwählung des Berufes beeinträchtigt,

die richtigen Prinzipien der chriſtlichen Erziehung verletzt, viel⸗ leicht gar ſtaatsgefährliche Grundſätze gelehrt, der niedere Clerus zu einer knechtiſchen Abhängigkeit gegen den Biſchof erzogen und dadurch entwürdigt und demoraliſirt werde.

Es mochte Ihnen unbenommen ſein, Ihre Anſichten über die Vorzüge der Univerſitätsbildung auseinanderzuſetzen, dagegen die beſtehende kirchliche Disciplin und die von der Kirche ſo ſehr empfohlenen Seminarien in der angegebenen Weiſe als verwerf⸗ lich zu bezeichnen, war Ihnen als katholiſchem Chriſten, geſchweige als Prieſter nicht erlaubt; denn es iſt darin die Anſicht ausge⸗ ſprochen, daß die katholiſche Kirche eine mit der chriſtlichen Moral und der chriſtlichen Freiheit unverträgliche Disciplin eingeführt habe oder einführen könne, eine Meinung, die ſelbſtverſtändlich mit dem, was uns der Glaube von der Kirche lehrt, unverträg⸗ lich und überdieß ausdrücklich durch die Bulle Auctorem fidei, prop. 78 verworfen iſt.

Sie ſtellen ferner S. 13 ff. die Behauptung auf, daß die Freiheit, ohne welche eine Wiſſenſchaft unmöglich, in der katho⸗ liſchen Theologie der Art durch die Hierarchie beſchränkt ſei, daß die akademiſche Freiheit der einzige Schutz jener Freiheit und ſo⸗ mit die unerläßliche Bedingung der theologiſchen Wiſſenſchaft ſei; unter dieſer akademiſchen Freiheit aber verſtehen Sie eine unter dem Schutze des Staates ſtehende Unabhängigkeit von der Auto⸗ rität der Biſchöfe und des Papſtes, dergeſtalt, daß Sie ſelbſt