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Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule zu Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1866 gehalten / von dem Rector der Landes-Universität Dr. Hermann Hoffmann, ordentlichem Professor der Botanik
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der Wiſſenſchaft, geſtiftet hätte. Sie aber, die Wiſſenſchaft, iſt der Stolz unſerer Nation, und wenn man ſich einbildet, für dieſe kleinen, gering fundirten Inſtitute zu viel zu thun, ſo rufe ich mit den Worten eines weitberühmten Ausländers(Renan) ſtolz entgegen: Une université allemande..(comme) Giessen ou Greifswald, avee ses petites habitudes étroites, ses pauvres professeurs à la mine gauche et éffarée, ses privatdocent haves et faméliques, fait plus pour l'esprit humain que l'aristocratique université d'Oxford avec ses millions de revenu, ses collèges splendides, ses riches traitemens, ses fellows paresseux.

Wahrlich, tiefer Schmerz erfüllt den ruhigen Beobachter, wenn er dieſe ewigen Kämpfe und Reibungen eine Zeit lang mit anſieht, und wenn er gewahr wird, wieviel ſeiner beſten Kraft dadurch ſeiner eigentlichen Aufgabe, nämlich der wiſſenſchaftlichen Arbeit, entzogen wird, ohne doch auf der anderen Seite etwas Fruchtbares damit ſchaffen zu können, ja ohne mehr zu thun, als Schaden zu verhüten. Denn in der That, wenn wir vorwärts gekommen ſind, ſo ſind wir es nicht durch dieſes Syſtem, ſondern in nicht wenigen Fällen trotz demſelben.

Das Großherzogthum Baden verausgabt, abgeſehen von dem Polytechnikum in Carlsruhe, welches jährlich über 100,000 fl. abſorbirt, noch 151,000 fl. für die Univ. Heidelberg, welche ganz und gar vom Lande unterhalten wird, und für Freiburg 61,000 fl., wozu noch für letzteres ein eigenes Grundvermögen von 1,236,000 fl. kommt.

Bei uns ſelbſt betrug der Staatszuſchuß im Jahre 1864 82,875 fl., wozu noch 52,235 fl. aus eigenem Vermögen und eigenen Einnahmen verſchiedener Art hinzukommen, der größte Theil aus Stiftungen früherer Landesfürſten, die es mit der Alma mater wohlmeinten, die in guten und ſchlimmen Tagen für ſie geſorgt, ſie durch alle Stürme der Zeiten nun 261 Jahre*) erhalten haben, die ein Herz und einen Sinn hatten für akademiſches Leben, Leiden und Freuden. Zeuge von Letzterem ſind noch heute die glänzende Reihe koſtbarer Becher von Gold und Silber, welche die ehrwürdigen Landesväter um die Wette der Univerſität zum Geſchenke machten. Haben ſie wohl erwarten können, daß dieſe Becher einſt trocken im dunkeln Schranke vertrauern ſollten, daß einſt die Zeit kommen würde, wo die Epigonen es ungerechtfertigt finden würden, daß von jenen 52,000 fl. die große Summe von noch nicht 100 fl.**) jährlich auf unſeres Fürſten Ge⸗ burstag zur Erinnerung an jene längſt verblichenen Wohlthäter in Wein credenzt werden ſollte. Sicher haben ſie dieß nicht erwartet, denn ſonſt hätten ſie nicht, wie Sie heute noch leſen können, auf die Becher gravirt: ad conservandam publicam hilaritatis memoriam ex clementia principali dono oblatum(1707, vom Landgrafen Ernſt Ludwig); oder, wie ſich Landgraf

*) Das Gymuasium illustre zu Gießen wurde geſtiftet 1605; 1607 in eine Univerſität verwandelt; 1625 dieſe nach Marburg verlegt; 1650 in Gießen bleibend reſtituirt.

**) Die betr. Ausgabe aus dem Univ.⸗Fond betrug z. B. im Jahre 1860: für Gaſthofsrechnung fl. 75. 48 kr.(meiſt für Deſſertwein, nämlich etwa 50 Flaſchen à fl. 1. 12); für Muſik fl. 18; Trinkgeld für Decoration fl. 6; dabei iſt zu bemerken, daß die Hauptſache bei der letzteren, nämlich die Pflanzen ſelbſt, ohne Koſten aus dem botan. Univ.⸗Garten geliefert wurden. Andernfalls würde die Summe merk⸗ lich höher kommen.