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Ein Beitrag zur Geschichte der Hochschule zu Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1866 gehalten / von dem Rector der Landes-Universität Dr. Hermann Hoffmann, ordentlichem Professor der Botanik
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kunft; das iſt ein Leben von Tag zu Tag, das ſich aus illuſoriſchen Wünſchen aufbaut und aus kleinlichem Haſſe, als gälte es nur, ſich das Leben zu retten, und nicht, ein feſtes Fundament zu bauen, auf dein unſere glücklicheren Söhne einſt dankbar unſerer eingedenk ſein ſollen.

Wenn man denn überhaupt das engliſche Syſtem nachahmte, warum ließ man gerade das weg, was für unſere gegebenen Verhältniſſe bei Weitem das Wichtigſte war, nämlichidie Enquéte⸗ Commiſſionen bei jeder rein techniſchen Frage? Iſt es nicht einleuchtend, daß ein Mitglied des Finanzausſchuſſes, wenn es nach Gießen geſchickt würde, in zwei Tagen hier am Orte mehr und gründlicher über die Univerſität ofſiciell und außerofficiell unterrichtet werden könnte, als wenn er in Darmſtadt dicke Stöße von Acten ſtudirt, deren Anfertigung in allen Branchen des Staatslebens eine Vielſchreiberei und eine Weitläufigkeit herbeigeführt hat, von der man ſich keine Vorſtellung macht; wo dann endlich die Sache in den Sitzungen der verſammelten Kammer verhandelt wird, ohne daß vielleicht nur ein Einziger denn dieß kann ſehr wohl vorkommen ſachkundig und genügend unterrichtet iſt. Und wie wäre das auch möglich, ſei es im Kreiſe der Landesvertretung, ſei es in dem der Regierung, daß ein Ein⸗ zelner Alles zugleich, das ganze Staatsleben, erſchöpfend umfaſſen könnte. Ich aber habe es in der ganzen Zeit meiner Verwaltung nicht ein einziges Mal erlebt, daß einer der Landesver⸗ treter aus eigenem Antriebe z. B. mit mir den botaniſchen Garten inſpicirt hätte; und doch, wie oft ſchon iſt dieſes Inſtitut vor der Kammer verhandelt worden?

Dieſes Syſtem iſt ohne Initiative für das Gute und ohne Macht, das Ueble zu verhin⸗ dern; es iſt in ſeiner Thätigkeit ſchwerfällig, kleinlich*) und über die Maßen koſtſpielig**); es verhält ſich zu der emſigen Arbeit des Staates, wie die Recenſion eines ſchreibſeligen Literaten zu einem guten und gründlichen Buche mit Citaten, Quellenſtudien und jahrelang durchgeführten

*) Man kann in dem Protokoll 92 von 1864(S. 22) leſen, wie die vollzählige, aus allen Landestheilen zuſammenberufene Kammer darüber verhandelt, ob das ¼ Morgen große Hintergärtchen unſexer neuen Anatomie eine Weißdornhecke, odereine andere wohlfeile Art der Einfriedigung, oder eiſerne Staketen erhalten ſoll. Die Regierung verlangt 1730 fl.; abgelehnt mit 34 gegen 6 Stimmen.

Auch das Folgende iſt lehrreich.

In der Beilage 117 zum 9. Protokoll der Ausſchußſitzung 2ter Kammer vom 20. März 1866 ſagt der Berichterſtatter, namens Volhard(S. 113). Unter den Ausgaben(der Univerſität) für Feierlich⸗ keiten warenStadtfahrten am 10. December 1860 und am 14. Januar 1861, an beiden Tagen wegen der 50 jährigen Dienſtfeier des Kirchenrath(sic) Dr. Engel; dieſe Feier ſcheint hiernach 2mal ſtattge⸗ funden zu haben, wenn nicht etwa die erſte Stadtfahrt nur eine Vorbereitung oder Probe für die zweite geweſen ſein ſollte.

Man muß ſonderbare Begriffe von einer officiellen Auffahrt einer Univerſitäts⸗Deputation und von dem perſönlichen Charakter und der Würde des Rectors als deßfallſigen Vertreters derſelben haben, wenn man, anſtatt ſich an geeigneter Stelle gehörig zu erkundigen, ſich in einer Ausſchußſitzung der Land⸗ ſtände zu ſolcher Ausdrucksweiſe hinreißen läßt, deren richtige Bezeichnung ich Ihnen ſelbſt überlaſſe.

*) Die Koſten einer Seſſion ſind normal auf ca. 20,000 fl. vorgeſehen; es iſt aber vorgekommen, daß die⸗ ſelben 100,000 fl. überſchritten; eine Mehrausgabe, welche das ſeltene Schickſal hatte, nicht von der Kammer beanſtandet zu werden. 3