freiungskriege betrogen ſahen, in politiſcher Beziehung ſo troſtlos wie möglich! Der deutſche Gedanke, die Sehnſucht nach politiſcher Einheit aller deutſchen Stämme, fand in unſeren Mauern unter der Studentenſchaft eine erſte Stätte, und von hier aus, aus dem Schoße der Burſchenſchaft, ging die erſte Werbung zur Mitarbeit an der Umgeſtaltung der politiſchen Verhältniſſe Deutſchlands an die anderen Hoch⸗ ſchulen. Faſt ausſchließlich in akademiſchen Kreiſen verfolgen wir das Weiterleben und Wachſen desſelben Gedankens über die Jahre der Demagogenverfolgungen bis in die deutſche Revolution, deren Wogenſchlag hier in Gießen wohl am ſtärkſten in ganz Heſſen geſpürt wurde.
So war es die Univerſität, die die Geiſter in Bewe⸗ gung ſetzte, die Hohe Schule, die ſeit ihrer Begründung durch Landgraf Ludwig V. den Getreuen das geſamte geiſtige Leben des Landes beeinflußte und ihm Richtung gab. Sie iſt es auch geweſen, die den Namen unſerer Stadt über die Grenzen Heſſens und Deutſchlands getragen hat und noch trägt. Durch die Ausbildung der heſſiſchen Lehrer, Pfarrer und Beamten übt ſie die tiefſtgehende Wirkung auf unſer geſamtes Staatsleben. Darüber hinaus iſt ſie eine Stätte und ein Hort geiſtiger Freiheit, wiſſenſchaftlichen Strebens und Schaffens. Heute blüht ſie, geſtützt und gefördert von dem verſtändnisvollen Juſammenwirken des Staates und der Stadt, eine Bürgſchaft der dauernden Wohlfahrt des Landes.
Darf ſich die Stadt Gießen glücklich ſchätzen, daß ihr auf dieſe Weiſe ihre alte bevorzugte Stellung gewahrt bleibt, ſo kann ſie doch zugleich ſtolz bekennen, daß es der Tüchtig⸗ keit ihrer Bürger und ihres Gemeinweſens gelungen iſt, ſie
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