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machen, und ihm Trajan durch Ernennung zum Konsular und Prokonsul der Provinz Achaia indirekt seinen Dank für seine literarischen Bemühungen ausgesprochen.
Nun ist aber das Bild Alexanders außerhalb der Spezialschriften Plutarchs über Alexander viel ungünstiger, ja oft das gerade Gegenteil. Alexander ist viel listiger, herrschsüchtiger und ge- walttätiger. Das mag einmal daher kommen, daß Plutarch viel- fach bloß seine Quelle wiedergibt, zum andern in den philo- sophischen Schriften nicht so gut Alexander verherrlichen konnte. Es könnte auch sein, daß dies die tatsächliche Auf- fassung Plutarchs von Alexander gewesen ist, und daß er sich bei diesen vereinzelten Herabsetzungen Alexanders vor An- feindungen gesichert glaubte. In diesem Falle hätten die Spezialschriften Plutarchs über Alexander keinen anderen Zweck gehabt, als Trajan seinem politischen Alexanderideal zu er- halten oder um seine Gunst zu buhlen.
Mit Trajans Tode verschwindet die Alexanderromantik aus der Welt, um nur hin und wieder noch einmal aufzuflackern. So hat Favorinus von Arelate Alexander eine göttliche Genealogie angedichtet. Das Interessante und Neue aber ist dabei, daß nicht etwa seine Abstammung von luppiter Ammon er- wähnt, sondern ein rein griechischer Stammbaum Alexanders aufgestellt wird mit den Stammeltern Thetis und Oceanus, ein charakteristisches Merkmal dafür, wie sehr in jener LZeit die Griechen Alexander als Nationalhelden ansahen und sich be- mühten alle antinational-griechischen Züge Alexanders auszu- schalten oder zu verändern. Die Grundsätze seiner Lehre haben dem Philosophen Epiktet es versagt, einen Panegyrikus auf Alexander zu singen.
Im Gegensatz zu den römischen Schriftstellern der Trajan- ischen Zeit haben unter Antoninus Pius und Mark Aurel die Römer relativ günstig über Alexander sich geäußert. Die hoch- gehenden Wogen politischer Leidenschaft haben sich geglättet. Man tritt unbefangener Alexander gegenüber, auch auf seiten der Griechen, denen kein zweiter Trajan mehr erstanden war. Es lohnte sich nicht mehr eine Lobgeschichte Alexanders zu schreiben. Die wohltuende Folge davon war, daß das Bild


