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ihn vor einem Rückfall in eine national-römische Regierung zu behüten. Da aber Trajan kein Freund offener Schmeichelei war, so wandte man sich dem Vorbild des Kaisers, Alexander dem Großen, zu und suchte durch Lobpreisung seiner Heroen- taten indirekt Trajan zu verherrlichen und zur Beibehaltung seiner alexanderfeindlichen Politik zu ermuntern. So hat der Kyniker Dio von Prusa in seinem 2. Saoο⁵αα déyos' in Alexander Trajan verherrlicht und ein achtbändiges Werk eO! AAeeνν οwO 3Jger geschrieben, das nichts anderes als ein panegyrisches Loblied auf Trajan gewesen sein kann. Noch deutlicher zeigt sich dieses Bestreben in den Schriften Plutarchs, der sich offen als enthusiastischen Bewunderer Alexanders bekennt. Denn daß nur die Vorurteilslosigkeit und die moralisierende Betrachtungsweise Plutarchs ihm das lichte Alexandergemälde vorgezaubert haben, wie Hoffmann(S. 97 f.) meint, scheint mir zur Erklärung nicht auszureichen. Die außerordentliche ägerj' Alexanders, seine praktische Philosophen- natur, seine Gleichstellung mit Herakles, sein hellenisch ge- färbtes Königtum bei Plutarch, das sind alles Dinge, die voll- ständig auf Trajan passen und auf ihn zugeschnitten sind. Und wie tiefe Wurzeln die Alexanderromantik am kaiserlichen Hofe ge- schlagen hatte, geht daraus hervor, daß Plutarch es wagen konnte, die griechische Opposition der fünfziger Jahre vor Chr. wieder zu Ehren zu bringen und Roms Größe dem frühen Tode des Makedonen- königs zuzuschreiben, natürlich mit dem Hintergedanken, durch Alexanders Wertsteigerung dem Spanier Trajan zu Gefallen zu reden. Aber nicht nur dem Kaiser Trajan bereitete Plutarch mit seiner Alexanderpanegyrik eine Freude, sondern er schuf auch durch die farbenpächtige Schilderung einer großen poli- tischen Vergangenheit und eines glänzenden Stückes nationaler Geschichte dem politisch abhängigen Griechentum seiner Zeit eine angenehme Unterhaltungslektüre. Ferner mußte es eine große Genugtuung für sein griechisches Nationalempfinden sein, die unangefochtene Herabsetzung Alexanders durch Curtius widerlegen und abschwächen zu können. Und schließlich hat vielleicht— allerdings ist diese Verbindung nicht bezeugt— Plutarch beabsichtigt, sich am Hofe zur egrata persona' zu
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