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wortlich gemacht wird. Die Schimpfwörter, mit denen er Gan Alexander bzw. Nero bedenkt, sind fast dieselben wie bei ver Seneca. Sehr interessant sind die Worte'sed cecidit Babylone leß
sua Parthoque verendus': aber er starb in Babylon, das sein Eigentum war, gefürchtet von den Parthern. Ganz deutlich 68 I zeigt sich hier das Bestreben, dem Kaiser einen Hieb zu ver- vie setzen. Alexander wird zum Herrscher des in seiner Zeit noch nicht VOI bestehenden Partherreiches gemacht und damit die Ohnmacht Ale des gegenwärtigen römischen Imperators gegenüber den Parthern Beg betont, die gerade unter Nero ihre Macht auf Kosten der erg. Römer immer weiter ausbreiteten.¹) Und so muß Alexander im köl Guten wie im Bösen herhalten, und seine Persönlichkeit wird Erf in den Dienst kaiserfeindlicher Literaten gestellt, die ihn zum Ale Spielball ihrer antimonarchischen Gesinnung und aus Furcht vor erb
offener Polemik zum Opfer ihres maskierten Angriffes auf den Kaiser ausersehen haben. He Vespasianus und Titus. Die Burteilung Alexanders durch den Sch älteren Plinius macht den Eindruck, als sei sie ohne äußeren Op Zwang erfolgt, und als hätten wir bei ihm das unverfälschte, 0dl reine und auf innerer Überzeugung beruhende Urteil eines ge römischen Großen, der, ohne sich von kleinlichen Rücksichten FPr; leiten zu lassen oder in Extreme zu verfallen, mit objektiven an Augen den griechischen Nationalhelden betrachtet hat. B Nicht so vornehm hat Flavius Josephus gedacht. Für ihn wi ist Alexander das Mittel zur Verherrlichung des jüdischen Volkes. K. Denn die erwähnte Episode ist kaum historisch zu verwerten. Sie m. entspricht schon inhaltlich nicht dem Charakter und der Politik in
Alexanders. Dazu schweigen sich sämtliche übrigen Alexander- quellen darüber aus, die eine derartig ungewöhnliche Begebenheit R sicher nicht unerwähnt gelassen hätten. Schließlich ist merkwürdig, 1 daß diese Anekdote gerade in einem jüdischen Geschichtswerk 1 sich findet, dessen panegyrische Tendenz nicht zu verkennen— ist, ganz abgesehen von dem legendarischen Charakter der jüdischen Geschichte im allgemeinen.²) Soviel wird an dem 1 1 ¹) Vgl. auch Christensen a. a. O. S. 126. ²) Eine andere Frage ist, g ob Flavius Josephus diese sagenhafte Anekdote erfunden hat, oder ob er 8


