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Alexander der Große im Urteil der Griechen und Römer bis in die konstantinische Zeit / eingereicht von Franz Weber
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ihrem Unwillen Luft gemacht haben, entzieht sich unserer Kenntnis. An Verschwörungen inmitten dieser unzufriedenen Griechen und Makedonen hat es nicht gefehlt. Sie wurden freilich frühzeitig entdeckt und vereitelt und der Opposition durch gewaltsame Beseitigung ihrer Führer der feste Boden entzogen. Um so höher stiegen die Griechen und Makedonen, ¹) die den orientalischen Herrscherkult Alexanders anerkannten und sich nicht genug in Schmeicheleien gegen ihn gefallen konnten.

Dieselben Gegensätze entwickelten sich bei den Griechen und Makedonen, die nicht mitmarschiert waren. Die einen ver- ehrten ihn bewundernd, die andern haßten ihn. Von einer größeren Opposition in Makedonien selbst wissen die Quellen allerdings nichts zu berichten.²) Dagegen muß in Griechenland eine weitverzweigte Oppositionspartei bestanden haben, an deren Spitze Sparta stand. Aber viel mehr als diese Tatsache können wir nicht feststellen. Nur von Athen wissen wir etwas mehr. Hier standen die alten Gegner der makedonischen Monarchie, die radikalen Demokraten, die sich schon mit König Philipp gemessen hatten, den makedonisch gesinnten Athenern schroff gegenüber. Die Vorkämpfer dieser Parteien in Wort und Schrift waren meistens Lehrer der Beredsamkeit, die damals das politische Leben beherrschten. Und daß das Programm der alexanderfeindlichen Partei seine alte Zugkraft noch nicht ver- loren hatte, das beweisen die Aufstände der Jahre 336 und 330.

So stehen eine Alexander unbedingt bewundernde Partei, eine makedonische Opposition und politische Feinde zu Leb-

¹) Auf seiten der Griechen der Philosoph Anaxarchos(?), der Rhetor Anaximenes, die Hofpoeten Choirilos und Agis u. a., auf seiten der Makedonen namentlich Hephaestio.*) Die Gottkönigsidee ist von Antipater abgelehnt, worden(Suidas s. v. Antipatros). Ob aber Antipater, wenigstens gegen Ende der Herrschaft Alexanders, zur Opposition überging, läßt sich nicht bestimmt sagen. Wir wissen nur, daß er von Alexander nach Asien gerufen wurde. Das in der Literatur wiederholt auftauchende Gerücht der Vergiftung Alexanders durch Antipater kann auch nach Alexanders Tod durch Olympias und ihre Parteigänger erst aufgebracht worden sein. Vgl. Curt. X, 10, 14; Plut., Alex. 77; Plin. n. h. XXX, 149; Vit. X orat. IX, 22; Pausan. VIII, 18, 6; ATr. VII, 27, 1.