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erworben hat. Außer einem mit Sprungturm aus⸗ gestatteten Schwimmbad von 19 9,5 m(180 qm) Größe und 2,80—0,70 m Tiefe sind 30 Wannen⸗ und 18 Brausebäder eingerichtet. Ferner ist ein römisch⸗irisches Bad mit einer Temperatur von 55e bzw. 75° vorhanden. Besonders ist hervorzu⸗ heben, daß das Schwimmbad mit einer neuzeit⸗ lichen Reinigungs⸗- und Entkeimungsanlage (Chlorierung) versehen ist; dadurch ist jederzeit die Gewähr für ein reines und gesundheitlich einwandfreies Wasser gegeben. Das Wasser im Schwimmbassin wird regelmäßig chemisch und bak⸗ teriologisch untersucht, es ist als hygienisch voll⸗ kommen einwandfrei zu bezeichnen. Schwimm⸗ unterricht wird auf Wunsch erteilt. Im Rechnungs⸗ jahr 1928 wurde das Bad von insgesamt 147 832 Personen besucht. Ein erheblicher Teil der Klassen der Volks⸗ und Höheren Schulen besucht das Bad regelmäßig.
Besonders eifrig wird das Schwimmbad von einer Reihe von Vereinen benutzt, denen es auf Grund besonderer Vereinbarungen zu be⸗ stimmten Zeiten zur ausschließlichen Benutzung überlassen wird. Die Preise sind wie folgt geregelt:
Brausebdꝛdd 20 Rpf. Schwimmbdd 40„ Wannenbad III.—I. Klasse 40—80„
Um den Besuch der Wannenbäder gleichmäßig über die Woche zu verteilen, werden die Preise der Wannenbäder am Freitag und Samstag jeder Woche um 10 bzw. 20 Pf. erhöht.
Waldungen und Waldwirtschaft im Kreise Gießen. Von Oberforstmeister E. Schüz, Gießen.
Die mit Wald bestockte Bodenfläche des Kreises Gießen nimmt einen erheblichen Umfang ein. Von den 81 Gemeinden des Kreises haben 69 Gemeinden Waldbesitz, zum Teil von ansehnlicher Größe. Außer den Gemeindewaldungen sind im Kreise Gießen noch Staatswaldungen und größere Privatwal⸗ dungen(standesherrliche Waldungen) von erheb⸗ lichem Umfange vorhanden und kleinere bäuerliche Privatwaldungen, letztere jedoch nur in geringer Zahl und Flächengröße.
Der gesamte Gemeindewaldbesitz beträgt etwa 11200 ha mit einem jährlichen Holzeinschlag von etwa 70000 km, der Staatswaldbesitz etwa 3500 ha mit etwa 19000 fm Jahreseinschlag, und der Besitz an größeren Privatwaldungen etwa 3300 ha mit einem Jahreseinschlag von etwa 18000 km.
Wenn man den unbedeutenden bäuerlichen Privatwaldbesitz nicht berücksichtigt, beträgt die Gesamtwaldfläche im Kreise Gießen etwa 18000 ha mit einem jährlichen Holzeinschlag von etwa 107000 fm.
Nach der letzten Volkszählung im Jahre 1925 beträgt die Einwohnerzahl im Kreise Gießen 99177 Personen; man kann sie jetzt zu etwa 100000 annehmen, und es entfällt somit auf einen Einwohner eine Waldfläche von 0,18 ha.
Dieser recht bedeutende Waldbesitz hat zweifellos hohe wirtschaftliche Bedeutung, in erster Linie für die waldbesitzenden Gemeinden.
Für manche, besonders die kleineren Gemeinden, ist der Reinerlös aus dem Walde geradezu grund⸗ legend für ihre Finanzwirtschaft, und kulturelle Verbesserungen können vielfach nur mit Hilfe der Erlöse für Holz ausgeführt werden.
Neben diesem unmittelbaren Vorteil für die Gesamtgemeinde erwachsen aber noch mittelbare Vorteile aus dem Walde für eine große Anzahl Gemeindeangehöriger durch die im Walde aus⸗ zuführenden Arbeiten. Besonders die Holz⸗ fällungsarbeiten in den Wintermonaten, sodann die Aufforstungsarbeiten in den Frühjahrs⸗ und Herbstmonaten sowie die Wegbauarbeiten geben für männliche und weibliche Gemeindeangehörige reichliche Arbeitsgelegenheit und erwünschten Ver⸗ dienst.
An Löhnen für die Holzfällungsarbeiten werden etwas380000%, für Kultur⸗ und Wegebauarbeiten etwa 100000 verausgabt, wozu noch die Fuhr⸗ löhne für die Anfuhr des Nutzholzes nach den Verarbeitungsstellen oder den Bahnstationen kom⸗ men mit schätzungsweise 90—100000-èf8, so daß mit einem aus der Waldbewirtschaftung fließenden Gesamtlohn von etwa 600000 ν gerechnet wer⸗ den kann. Weiter erbringt die Verpachtung der Waldjagden, die sich besonderer Beliebtheit er⸗ freuen, einen erheblichen Erlös, der für die Ge⸗ meindewaldungen des Kreises zu 50000%½] an⸗ genommen werden kann.
Daß das Vorhandensein und die zweckmäßige Verteilung der Waldungen auch auf die klimatischen und meteorologischen Verhältnisse günstig einwirkt, was insbesondere für die Landwirtschaft von großer Wichtigkeit ist, erscheint zweifellos. Ebensowenig zweifelhaft ist es, daß neben den aus den Wal⸗ dungen fließenden materiellen Vorteilen der Wald für die gesamte kreiseingesessene Bevölkerung hohen ideellen Wert besitzt.
Beschränkung der Waldausstockungen durch Feld⸗ bereinigungen, Siedlungsunternehmungen usw. auf das allernotwendigste Maß, vielmehr unver⸗ sehrte Erhaltung und Pflege der Waldungen liegen daher im eigensten Interesse der Waldbesitzer wie der ganzen Bevölkerung.
Stellt doch der Wald— nur vom nüchternen, rechnerischen Standpunkt aus betrachtet— ein durchaus wertbeständiges Vermögen dar, dessen Wert infolge der durch den verlorenen Krieg be⸗ wirkten starken Verminderung der deutschen Wald⸗ fläche ein ständig steigender ist.


