Jahrgang 
1929
Seite
3
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Aus Stadt und Kreis Gießen.

Alte Gießener Flurnamen.

Dir Von Professor Dr. Karl Ebel, ektor der Universitätsbibliothek in Gießen.

Wn hud en der Fluren und Gewanne der Feld⸗ ge chichte eine wertvolle Quelle für die Kultur⸗ ühder eeines Ortes. Untersucht man sie nach Debd rr n Entstehung und ihrem zeitlichen 565 und findet man für sie die rechte stalt and so wissen sie viel zu erzählen von Ge⸗ seiner Art des Bodens, an dem sie haften, auf i 20 und Nutzung, von Anlagen, die sich etracht efanden, und von vielem anderem mehr. die Flu en wir einmal nach diesen Gesichtspunkten

hantecht unserer Gemarkung. Besch üchst gibt es eine ganze Anzahl, die uns die r ian Heri des Bodens oder seine na⸗ Vage beze Kennzeichen melden. Die sumpfige lach⸗ 69484.. im Norden der Stadt dieSchwarz⸗ nach d 4 Swartzelache) und derEdergraben, em die Ederstraße benannt ist.In der

594 am Junkeracker ist ein sumpfiger Fleck um

kommt. wir die Na

der G 15. J emarkung, von denen der erstere schon im

ei kommen an der Lahn und an der Wieseck

vor, sie beden im 15. Jahr an Raser.

von 546.Wolfsfurt, die ihren Namen wohl Wera erden führt. In den Wäldern des Düns⸗ im 17. Jahrt sich diese gefährlichen Raubtiere noch Wintern. v hundert in großer Zahl; in strengen die Lahn dinre Hunger getrieben, mögen sie oft Schw LDurchschritten haben. bung des Boger undWeißerde zeigen die Fär⸗ boden, aus 5 ens an. Die Weißerde ist der Ton⸗ ihr Material em heute die Gailschen Tonfabriken Lungsteiles Iäbt den⸗ Am Rande dieses Gemar⸗ 1n nweg äuft derAulweg, im Mittelalter und Ullne genannt. Die Bezeichnungen Aulöfen der Wetter für Töpferofen und Töpfer waren in vom Ja rau üblich, in einer Gießener Urkunde 14. hre 1393 erscheint ein Cuntze Ulner und

hundert Jahre später ein Henchen Ulner. Der Aul⸗ weg ist daher der Weg, den die Töpfer gingen, wenn sie den Ton, dieweiße Erde, zur Herstellung ihrer Waren holen wollten. Analog erklärt Karl Wei⸗ gand den Ortsnamen Ulfa als das Flüßchen, an dem Töpfe gemacht werden.

Die Bodenbeschaffenheit gibt auch derHardt ihren Namen, eine in Deutschland weit verbreitete Bezeichnung für festen, steinigen Boden. Trockenen, rissigen(lechen) Grund hat dieLichtenau. Ihr richtiger Name, wie ihn z. B. der Wiesecker aus⸗ spricht, istLechenau, 1347:lechinauwe; die heutige Form ist erst im 17. Jahrhundert auf⸗ gekommen. Die 1375 und später vorkommende leichinauwe hat zu der Annahme geführt, daß am Rodberg, wo sie liegt, ein Kampf stattgefunden habe, und da dort auch dasRömersloch zu finden ist, so war man sicher, daß es sich um eine Schlacht zwischen Römern und Chatten handeln müsse. Leider ist die Erklärung viel harmloser, dennloch istlohe und bedeutet Wald, Gehölz, das in diesem Falle sich im Besitz eines Gießener Bürgers namens Römer befand. Daß der Wald einst viel näher an die Stadt herangetreten ist, sehen wir aus den zahl⸗ reichen Namen, die auf Rodungen hinweisen. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung mußte Ackerboden gewonnen, der Wald geschlagen werden. Eine der ältesten Rodungen ist vielleicht derRodberg, an dem auch das alte Achstatt lag, er hieß ehedem kurz⸗ wegauf dem Rodt. Andere gleichartige Namen sind dieRodgärten, dieRodhohl(an der Wil⸗ helmstraße), dasEichenrott(15. Jahrhundert), heuteEichgärten genannt. Die GewannFuchs⸗ rode heißt 1320 Foixtrode und bedeutet die Rodung des Vogtes. Eine weitere Bezeichnung für Rodland findet sich dann noch an der Heuchelheimer Straße, wo eine Gewanndie Schwemme heißt, eine Umbildung ausswende(1495),schwende (1553). Schließlich besitzen wir im Wald eine, Stock⸗ wiese(1463). Auf den Ackerbau bezieht sich auch der älteste unserer Flurnamen, dasAlte Feld, das zum erstenmal im Jahre 1310 und noch heute so genannt wird. DasGartfeld erscheint gleichzeitig mit denEichgärten im 15. Jahrhundert.

Der Weinbau hatte im Mittelalter eine viel größere Verbreitung als heute, weit nach dem Norden und dem Osten Deutschlands war er vor⸗ gedrungen. So finden wir denn frühe in Hessen und auch in Gießen Weinberge: 1322 werden sie schon urkundlich genannt, und noch im Jahre 1554