Jahrgang 
1927
Seite
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städtischer Betrieb, nachdem die Stadt alle Aktien erworben hat. Außer einem mit Sprungturm aus⸗ gestatteten Schwimmbad von 19 49/½5 m(180 qm) Größe und 2,800,70 m Tiefe sind 30 Wannen⸗ und 18 Brausebäder eingerichtet. Ferner ist ein römisch⸗risches Bad mit einer Temperatur von 550 bzw. 75 vorhanden. Besonders ist hervorzu⸗ heben, daß das Schwimmbad mit einer neuzeit⸗ lichen Reinigungs⸗ und Entkeimungsanlage (Chlorierung) versehen ist; dadurch ist jederzeit die Gewähr für ein reines und gesundheitlich ein⸗ wandfreies Wasser gegeben. Schwimmunterricht wird auf Wunsch erteilt. Im Kalenderjahr 1926 wurde das Bad von insgesamt 15000 Personen besucht. Ein erheblicher Teil der Klassen der Volks⸗ und Höheren Schulen besucht das Bad regelmäßig.

Besonders eifrig wird das Schwimmbad von einer Reihe von Vereinen benutzt, denen es auf Grund besonderer Vereinbarungen zu be⸗ stimmten Zeiten zur ausschließlichen Benutzung überlassen wird. Die Preise sind wie folgt

geregelt: Brausebddd 20 Pf. Schwimmbddd 40

Wannenbad III.I. Klasse 4080

Um den Besuch der Wannenbäder gleichmäßig über die Woche zu verteilen, werden die Preise der Wannenbäder am Freitag und Samstag jeder Woche um 10 bzw. 20 Pf. erhöht.

Waldungen und Waldwirtschaft im Kreise Gießen. Von Oberforstmeister E. Schüz, Gießen.

Die mit Wald bestockte Bodenfläche des Kreises Gießen nimmt einen erheblichen Umfang ein. Von den 81 Gemeinden des Kreises haben 69 Gemeinden Waldbesitz, zum Teil von ansehnlicher Größe. Außer den Gemeindewaldungen sind im Kreise Gießen noch Staatswaldungen und größere Privatwal⸗ dungen(standesherrliche Waldungen) von erheb⸗ lichem Umfange vorhanden und kleinere bäuerliche Privatwaldungen, letztere jedoch nur in geringer Zahl und Flächengröße.

Der gesamte Gemeindewaldbesitz beträgt etwa 11200 ha mit einem jährlichen Holzeinschlag von etwa 70000 fm, der Staatswaldbesitz etwa 3500 ha mit etwa 19000 fm Jahreseinschlag, und der Besitz an größeren Privatwaldungen etwa 3300 ha mit einem Jahreseinschlag von etwa 18000 fm.

Wenn man den unbedeutenden bäuerlichen Privatwaldbesitz nicht berücksichtigt, beträgt die Gesamtwaldfläche im Kreise Gießen etwa 18000 ha mit einem jährlichen Holzeinschlag von etwa 107000 fm.

Abschnitt 1

Nach der letzten Volkszählung im Jahre 19²⁰ beträgt die Einwohnerzahl im Kreise Gießen 99177 Personen; man kann sie jetzt zu etwa⸗ 100000 annehmen, und es entfällt somit auf einen Einwohner eine Waldfläche von 0,18 ha.

Dieser recht bedeutende Waldbesitz hat zweifello⸗ hohe wirtschaftliche Bedeutung, in erster Linie die waldbesitzenden Gemeinden.

Für manche, besonders die kleineren Gemeinden ist der Reinerlös aus dem Walde geradezu grund legend für ihre Finanzwirtschaft, und kulturell Verbesserungen können vielfach nur mit Hilfe del 3 Erlöse für Holz ausgeführt werden.

Neben diesem unmittelbaren Vorteil für din 4 Gesamtgemeinde erwachsen aber noch mittelba 5 Vorteile aus dem Walde für eine große Anzah Gemeindeangehöriger durch die im Walde au⸗ zuführenden Arbeiten. Besonders die Holl fällungsarbeiten in den Wintermonaten, sodan 3 die Aufforstungsarbeiten in den Frühjahrs⸗ un Herbstmonaten sowie die Wegbauarbeiten gebe g für männliche und weibliche Gemeindeangehörig 10 reichliche Arbeitsgelegenheit und erwünschten Vel 11 dienst.

An Löhnen für die Holzfällungsarbeiten werde 12 etwa 380000 RM. für Kultur⸗ und Wegebauarbeite etwa 100000 RM. verausgabt, wozu noch die Fuhl löhne für die Anfuhr des Nutzholzes nach del Verarbeitungsstellen oder den Bahnstationen kon men mit schätzungsweise 90100000 RM., so do 17 mit einem aus der Waldbewirtschaftung fließende Gesamtlohn von etwa 600000 RM. gerechnet wel 18 den kann. Weiter erbringt die Verpachtung de Waldjagden, die sich besonderer Beliebtheit freuen, einen erheblichen Erlös, der für die G. meindewaldungen des Kreises zu 50000 RM. 0 genommen werden kann. ö

Daß das Vorhandensein und die zweckmäßih Verteilung der Waldungen auch auf die klimatisch und meteorologischen Verhältnisse günstig einwin 24 was insbesondere für die Landwirtschaft von groß Wichtigkeit ist, erscheint zweifellos. Ebensowen zweifelhaft ist es, daß neben den aus den WI( dungen fließenden materiellen Vorteilen der WO 26 für die gesamte kreiseingesessene Bevölkerung hohl 27 ideellen Wert besitzt.

Beschränkung der Waldausstockungen durch Fel bereinigungen, Siedlungsunternehmungen 28 auf das allernotwendigste Maß, vielmehr unne 30 sehrte Erhaltung und Pflege der Waldungen lieg! daher im eigensten Interesse der Waldbesitzer 6922 der ganzen Bevölkerung.

Stellt doch der Wald nur vom nüchtern 33 rechnerischen Standpunkt aus betrachtet 0 durchaus wertbeständiges Vermögen dar, destha Wert infolge der durch den verlorenen Krieg 930 wirkten starken Verminderung der deutschen WO 36 fläche ein ständig steigender ist.

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