Jahrgang 
1912
Seite
XVI
Einzelbild herunterladen

XVI

Souterrain des Zuschauerhauses liegt die

Wohnung des Hausverwalters auf der Süd⸗ seite, die Heizungsanlage auf der Nordseite. Die Heizung ist eine Niederdruckdampfheizung, die Erwärmung des Zuschauerhauses ge⸗ schieht durch eine Luftheizung, bei der die erwärmte Luft durch die Decke eintritt und nach unten gedrückt wird. Der Zu⸗ schauerraum beherbergt ein Kunstwerk in dem von Hans Koberstein⸗Berlin gemalten Hauptvorhang.

Das Stadttheater spielt von Oktober bis April regelmäßig am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Freitag, ausnahmsweise auch an den anderen Wochentagen. Der Spiel⸗ plan umfaßt Schauspiel, Lustspiel und Posse. Im Sommer finden einige Gastspiele der Operette des Bad⸗Nauheimer Kurtheaters statt.

Bemerkenswerte alte Bauten. Das alte Schloß mit dem Bergfrit, Heiden⸗ turm(Brandplatz 2), aus dem 14. Jahrhundert stammend, der älteste Bau Gießens, ist ver⸗ schiedentlich umgebaut, ganz verfallen an die

Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen

Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu⸗ bertusbrunnen und bei Großen⸗Buseck hatten 1910 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 281 050 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1910 in den Hochdruckbehälter bei Annerod ge⸗ fördert 1197 366 ebm. Die Gesamt⸗Wasser⸗ zuführung für 1909 betrug also 1478 416 ebm. Der durchschnittliche tägliche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 134 Liter. Von den 2335 bewohnten Häusern Gießens sind 2104 an die Wasserleitung an⸗ geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser⸗ rohrnetz in Verbindung: 315 Straßenhydran⸗ ten, 74 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 2170 Haus⸗ und Garten-Anschlüsse. Das Gießener Leitungswasser ist vorzüglich. Die Gesamtlänge der Zuleitungen und des Straßen rohrnetzes beträgt 82413 m.

Gas: und elektrische Beleuchtung.

städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde

Stadt gekommen und von derselben völlig

wieder hergestellt. Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Beschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge⸗ legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs von Hessen eingerichteten Räume. Die Ausstattung der Räume ist von der Provinz Oberhessen, sowie von einzelnen Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt.

Es birgt in dem nach dem

Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Großherzoglichen

Paare gleich nach Fertigstellung benutzt ge⸗ legentlich der 1907

Zentenarfeier der Landes⸗-Universität. Das

neue Schloß(Landgr.⸗Phil.⸗Platz 2), ein zier⸗

licher, hess. Fachwerkbau auf massivem Unter⸗ geschoß, ist von Landgraf Phil. d. Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder herge⸗ stellt und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Senchen⸗ bergstraße zuwendet, das architektonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter⸗ essante hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts), das alte,

demAnfangdes 16.Jahrhunderts) am Marktpl.

und das Weiselsche Haus in der Sonnen-

straße, das sich durch sehr schöne Holzlauben auszeichnet. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke (Kirchenplatz 12) und das älteste und, bei weitem interessanteste Wohnhaus, ein gotischer Bau, jetzt Kunsthandlung Leib(Kirchstr. 2).

stattgehabten dritten

vor mehreren Jahren renovierte Rathaus(aus

1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über⸗ nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887 635 625 ebm, 1910 2095 204 ebm. Die Gasproduktion hat ständig zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 58 400 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 813 Gaslaternen. Angeschlossen sind 2244 Leuchtgasabnehmer mit 12 225 Gasmesser⸗ flammen, 3347 Kochgasabnehmer mit 15679 Gasmesserflammen und 21 Gaskraftmaschinen mit zusammen 87 PS.

Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuchert& Co., Nürnberg, erbaut und im Sept. 1901 eröffnet. Erweiterungen wurden in den Jahren 1907 und 1909 vorgenommen. Letztere wurden durch das Städtische Elektrizitätswerk ausgeführt. Als Betriebskraft dient die Wasserkraft der Lahn, Generatorgas und Dampfkraft. Die Maschinenanlage umfaßt zwei Turbinen von je 75 PS., zwei Gasmotore von je 150 P8S. und einen von 300 PS., und zwei Dampf⸗ maschinen von je 600 PS.; also zusammen 1950 P S. Für das Licht⸗ und Kraftnetz und die Straßenbahn ist je eine getrennte Akkumula⸗ torenbatterie aufgestellt. Das größtenteils unterirdisch verlegte Leitungsnetz hatte am 31. III. 11 eine Gesamtlänge von 183,3 Kilo⸗ metern. Am 31. März 1911 waren ange⸗ schlossen: 1025 Abnehmer mit 27803 Glüh⸗ lampen, 511 Bogenlampen, 498 Motoren, 77 Apparaten oder insgesamt ein Aequivalent von 68075 Glühlampen.

Stadtwald. Die der Stadt Gießen ge⸗ hörigen schönen Waldungen haben einen Flächenbestand von 1286,47 Hektar Holzboden und 56,62 Hektar Wege. Die jährliche Holz⸗ entnahme beträgt 7580 Festmeter oder 5,9 Fest⸗ meter pro Jahr und Hektar.