XVI.
wieder hergestellt. Es birgt in dem nach dem Kanzleiberg zu gelegenen Flügel das Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins, in dem anderen nach dem botanischen Garten zu ge— legenen Teile die zum Absteigequartier des Großherzogs von Hessen eingerichteten Räume. Die Ausstattung der Räume ist von der Provinz Oberhessen, sowie von einzelnen Bürgern Gießens und der Provinz gestiftet und von hessischen Firmen zum Teil nach Entwürfen des Professors Olbrich angefertigt. Eine Besichtigung ist sehr zu empfehlen. Das Quartier wurde vom Großherzoglichen Paare gleich nach Fertigstellung benutzt ge— legentlich der 1907 stattgehabten dritten Centennarfeier der Landes-Universität. Das neue Schloß(Landgraf Philipp-Platz 2), ein zierlicher, hessischer Fachwerkbau, ist von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1533 erbaut. Es ist jetzt äußerlich wieder hergestellt und wird auch im Innern nach und nach wieder ausgebaut. Ludwig IV. errichtete 1585 das jetzt als Kaserne benutzte gewaltige Zeughaus, dessen Front sich der Senchen— bergstraße zuwendet, das architektonisch schönste historische Gebäude der Stadt. Inter— essante hessische Fachwerkbauten sind die frühere Hirschapotheke(aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts) und das alte, vor einigen Jahren renovierte Rathaus(aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts) am Markt⸗ platz. Von Burgmannenhäusern sind noch einige erhalten, z. B. die frühere Engelapotheke (Kirchenplatz 12) und das älteste und bei weitem interessanteste Leibsche Haus(Kirchstr.2).
Wasserleitungen des städtischen Wasser⸗ werks(Gartenstraße 3). Die erstbenutzten Quellen am Erlenbrunnen, Annaberg, Hu— bertusbrunnen und bei Großen-Buseck hatten 1907 einen Erguß in den Niederdruckbehälter am Lutherberg von 281 820 ebm. Von den Pumpmaschinen in Queckborn wurden 1907 in den Hochdruckhbehälter bei Annerod ge— fördert 1143 096 ebm. Die Wasserzuführung für 1907 betrug also 1 429 916 ebm. Der
Geschichtliches und Sehenswürdigkeiten der Stadt Gießen
durchschnittliche tägliche Verbrauch an Wasser auf den Kopf der Bevölkerung beträgt 128 Liter. Von den 2322 Wohnhäusern Gießens sind 1997 an die Wasserleitung an— geschlossen. Im ganzen stehen mit dem Wasser— rohrnetz in Verbindung: 293 Straßenhydran— ten, 57 Gartenhydranten für städtische Anlagen, 2062 Hausanschlüsse. Das Gießener Leitungs— wasser ist vorzüglich.
Gas⸗ und elektrische Beleuchtung. Das städtische Gaswerk(Gartenstraße 3) wurde 1856 eröffnet und 1886 von der Stadt über— nommen. Der Gasverbrauch betrug 1887788 635,625 ebm, 1907 1968 550 ebm. Der Verbrauch hat trotz des 1901 eröffneten Elek⸗ trizitätswerks jährlich zugenommen. Die Gesamtlänge des Straßenrohrnetzes beträgt 56804 m. Zur Straßenbeleuchtung dienen 764 Gaslaternen. Angeschlossen sind 1639 Leuchtgasabnehmer mit 9895 Flammen, 2277 Heizgasabnehmer mit 6213 Hähnen, 28 Kraftmaschinen mit 103 P8.
Das städtische Elektrizitätswerk ist von Schuckert& Co., Nürnberg, erbaut und im September 1901 eröffnet. Als Be— triebskraft dient die Wasserkraft der Lahn, Generatorgas und Dampfkhraft. Die Maschinen— anlage umfaßt zwei Turbinen von je 75 PS., zwei Gasmotore von je 150 PS. und einen von 300 PS., eine Dampfmaschine von 600 PS., also zusammen 1350 bp'8. Die Alkumula— torenbatterie besteht aus 272 Elementen. Das größtenteils unterirdisch verlegte Leitungsnetz hatte am 31. III. 08 eine Gesamtlänge von 146,5 Kilometern. Am 31. März 1908 waren angeschlossen: 670 Abnehmer mit 19976 Glüh— lampen, 418 Bogenlampen, 341 Motoren, 50 Apparaten oder insgesamt ein Aequivalent von 38728 Glühlampen.
Stadtwald. Die der Stadt Gießen ge— hörigen schönen Waldungen haben einen Flächenbestand von 1286,47 Hektar Holzboden und 56,62 Hektar Wege. Die jährliche Holz— entnahme beträgt 7580 Festmeter oder 5,9 Fest meter pro Jahr und Hektar.


