Jahrgang 
1905
Seite
VII
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Fremdenführer

Stenhaustrahe, erhebt sich das neue modern eingerichtete Gebäude für das physika⸗ und physikalisch⸗chemische In⸗ stitut. An der Stephanstraße, weiter nach Norden zwischen Bismarck- und Keplerstraße,

erhebt sich der neue im Herbst 1904 bezogene

Prachtbau der Universitäts⸗Bibliotheh,

und 1250 Incunabeln enthält.

zurück zur Ludwigstraße, verfolgen sie über

Wir kehren

durch Gießen VII Rechte zu verteidigen. Noch einmal kehren wir zur Lahn zurück, folgen aufwärts ihrem

Lauf und besuchen die malerische, am Ufer des Flusses versteckte Bad enburg und etwa eine Stunde weiter den hohen Staufen⸗ berg mit seinen beiden Burgen, die herab⸗

blicken auf das stille Kirchberg am Lahn⸗ welche 200000 Bände, ca. 1500 Handschriften

den Körper der Oberhessischen Bahn hinaus bis zu ihrem Endpunkte und suchen von dort aus die Frankfurter Straße zu ge⸗

winnen, an deren höchstem kleine Stadt für sich die neuen versitäts⸗Kliniken sich ausbreiten, medizinische, die Frauen⸗, linik, sodann das hygienische und das pathologische Institut, endlich die Veterinär-Anstalt. a wir einmal so weit gelangt sind, statten wir einen Besuch dem Brauneisenstein⸗Bergwerk(inter⸗ essanter Tagbau) ab, dessen Drahtseilbahn wir vor uns laufen sehen. ann aber eilen wir zurück, wenden uns an der Klinikstraße links, überschreiten den Bahnübergang und ommen dann rechts zum Güterbahnhof, von dem nicht weit entfernt am Lahnufer das städtische Elektrizitätswerk seine Turbinen dreht. Am Ufer der Lahn ent⸗ lang kommen wir schließlich an den Fluß⸗ Schwimmbädern vorbei, von denen wir zum städtischen Schlacht⸗ und Viehhofe jen⸗ seits des Flusses hinüberblicken, zu dem Biebertal-Bahnhof, von dem aus wir wenn es uns gelüstet einen lohnenden Ausflug in das reizende Biebertal mit der Obermühle 11201715180 des Pariser Kupfer⸗ derg Wille 1715- 1808) und zum Düns⸗ berg(J. u.) unternehmen können.

An herrlichen Ausflugspunkten hat Gießen überhaupt keinen angel. enseits der Lahn ragen die Trümmer des oben oft ge⸗ nannten Gleibergs, den ein deutsches Königsgeschlecht ums Jahr 1000 erbaute und die Schweden 1646 zusammenschossen, und des Vetzbergs, der still und melancho lisch dahinter liegt. Fern aus grünem Wald winkt die turmgekrönte Kuppe des Düns⸗ bergs, von dem man bei klarem Wetter die herklichste Aussicht bis nach Wetzlar und

arburg genießt und von dem aus man fliegen möchte hinüber über Tal und Fluß 80 Stadt auf den waldigen Rücken des

Schiffenbergs, der sich im Osten seltsam hinstreckt. Dort beteten einst fromme Augustiner, und stolz trugen nach ihnen die Brüder vom Deutschen Orden ihre weißen Mäntel mit dem schwarzen Kreuz zu Tal, wenn es galt, mit den reichen Cisterciensern in Kloster Arnsburg vorteilhaften Tausch. zu schließen oder hartnäckig behauptete

Punkte eine ni⸗ die die pfychiatrische ö

ah

ufer und auf die rauchenden Schlote der Hochöfen Lollars.

Doch auch in größerer Nähe findet der Wanderer Erholung. Im Osten der Stadt breiten sich ausgedehnte Wälder aus, Tannen⸗ und Buchenwald, in reizvoller Ab⸗ wechslung durchzogen von bequemen Pfaden. Da ist zunächst der parkartig gehaltene Philosophenwald, von dessen Rand man gar schön hinüberblickt nach der Stadt und den Höhen des Gleibergs und Vetzbergs. Auf der anderen Seite schließt sich der große Exerzierplatz, derTrieb genannt, an, den man immer im Waldesschatten um⸗ gehen kann, um in den Stadtwald zu gelangen. Auch hier sind anmutige und ce⸗ gänge, Aussichtspunkte im Wald und Ge⸗ legenheit zur Erfrischung in ländlichen Wirts⸗ häu Den Besonders schöne Aussicht hat man von dem Turm auf der tiefer im Wald ge⸗ legenenHohen Warte, von der man be⸗ quem nach Annerod hinabsteigt. penmanns-Brunnen, an dem d Licher Straße) zur Hohen Warte vorbei sähr, ist zur Sommerszeit ein beliebtes Aus⸗ ugsziel, und im nahe gelegenen Forsthaus Hochwart ist gut ruhen nach heißer Wande⸗ rung. Nicht viel weiter, jedoch in anderer Richtung, liegt ein gern besuchter Platz zwischen Gießen und Reiskirchen, die Ganse⸗ burg mit dem nahen Römerhügel. Und der, dem diese Wege zu weit sind, findet am Fuße des Schiffenbergs den herrlichsten Hoch⸗ wald mit lauschigen Ruheplätzchen am Lu wigsbrunnen und in dem gegenclber liegenden Forstgarten. Wer aber die Einsamkeit liebt, kann stundenlang unsere Wälder durchstreifen, ohne durch Aussichts⸗ turm und Wirtshausschild in seinen Be⸗ trachtungen gestört zu werden.

enn der Winter den Menschen in die

Mauern der Stadt bannt, entfaltet sich ein reges gesellschaftliches Leben. Konzertsaal und Theater öffnen ihre Pforten und zahl⸗ reiche Vorträge sorgen für Belehrung und Anregung. Der onzertverein veran⸗ staltet in jedem Winter 5-6 Konzerte, Kammermusik, Orchester, Chorwerke in an⸗ genehmer Abwechslung mit den Vorträgen erster Solisten aller Fächer. Für populäre Musik sorgt unsere treffliche Regiments⸗ kapelle in regelmäßigen Donnerstag⸗ und Sonntag⸗Konzerten. Ein ständiges Theater (vereinigtes Städtetheater Gießen-Marburg und Großh. Kurtheater Bad-Nauheim) bietet