Jahrgang 
1911
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Herrn Professor Dr. Hentschke als Geschworener vom 11. bis zum 19. Dezember gestört. Zu meinem grössten Bedauern ist aber Herr Vorschullehrer J Schreiber, der bisher während seiner langjährigen Tätigkeit an unserer Schule wegen Erkrankung den Unterricht nur einmal aus

setzen musste, so ernstlich erkrankt, dass er vom 16. März ab vertreten und wohl bis zu den Sommerferien beurlaubt werden muss.

Am 27. Oktober fand die Schulkommunion in gewohnter Weise in der Oberkirche statt. Aus dem Lehrerkollegium und von den Schülern der oberen Klassen traten 90 Teil- nehmer gemeinsam zum Tisch des Herrn.

Am 31. Oktober nachmittags 5 Uhr war in der Oberkirche die diesjährige Reformations- feier, bei der Herr Pastor Penitzka die Festrede hielt. Die Schüler der Realschule beteiligten sich zahlreich daran. Nach einer Verfügung der vorgesetzten Behörde ist von 1912 ab das Reformationsfest alljährlich unter Ausfall der Schule zu feiern, doch soll die besondere Art der Feier, die als innere Schulfeier oder als gemeinsame öffentliche kirchliche Feier gedacht werden kann, noch näher festgesetzt werden.

EinLiederabend wurde am 11. Dezember in der Aula zu Gunsten der Schüler- unterstützungskasse von Herrn Lehrer an der Realschule Kunert veranstaltet. Es kam eine Reihe von Liedern und von Musikstücken auf Klavier und Violine zum Vortrag; eine Kinder- Symphonie beschloss die Feier. Die Aula war bei dieser Veranstaltung bis auf den letzten Platz gefüllt und das Ergebnis für den wohltätigen Zweck höchst erfreuſich.

Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde am 27. Januar vor- mittags 9 Uhr in der Aula gefeiert. Eltern und Angehörige der Schüler und Freunde der An- stalt hatten sich zahlreich zu dieser Feier eingefunden, als Vertreter des Magistrats war Herr Bürgermeister Dr. Varnhagen erschienen. An diesem Tage galt es, zugleich den 200. Geburts- tag Friedrichs des Grossen festlich zu begehen Gedichte und Gesänge waren seinem An- denken gewidmet. In der Festrede entwarf Herr Oberlehrer Gallus ein Bild von der Persön- lichkeit des grossen Königs und zeigte, worauf dessen Bedeutung für die Gegenwart beruht. Die von Seiner Majestät der Anstalt überwiesenen 30 Exemplare der von Professor Koser herausgegebenen Schrift:Aus dem Leben Friedrichs des Grossen, denkwürdige Worte des Königs nebst kurzer Erzählung seiner Taten, wurden an 30 Schüler aus sämtlichen Klassen der Realschule verteilt Ein zweites Allerhöchstes Geschenk, das vom Flottenverein heraus- gegebene Marine-Album, wurde dem Schüler Schmidt(1 B) verliehen. Wie schon früher hatte auch in diesem Jahre der hiesige Verein ehemaliger Realschüler in dankenswerter Weise für einen guten und strebsamen Schüler eine Buchprämie übersandt. Das diesmal gewählte Werk, eine ausführliche Beschreibung des Lebens und Wirkens des Königs Friedrichs des Grossen von Professor Koser, wurde dem Schüler Carl Grimme(1 A) zugeeignet Nach Schluss der Schulfeier nahmen 60 Schüler als Zuschauer an der Parade der hiesigen Garnison teil, die wie im Vorjahre auf dem Schillerplatze abgenommen wurde und ein prächtiges militärisches Schau- spiel darbot.

Am 12. Februar übernahm Herr Oberregierungsrat Dr. Lüdeke, der Direktor des Pro- vinzialschulkollegiums zu Hannover, das Amt des Vizepräsidenten des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums und des Königlichen Medizinalkollegiums der Provinz Brandenburg. Mit demselben Tage erhielt Herr Provinzialschulrat Dr. Graeber das Dezernat unserer Schule, während Herr Oberregierungsrat Dr. Wassner, der seit Juni 1910 unser Dezernent gewesen war, zum Direktor des Provinzial-Schulkollegiums zu Königsberg ernannt wurde. Hatten wir uns auch nur kurze Zeit der Fürsorge des Herrn Oberregierungsrates Dr. Wassner zu erfreuen, so wird uns doch für den allzeit wohlwollenden und hiffsbereiten Berater unserer Anstalt das Gefühl der Dankbarkeit und Verehrung erhalten bleiben.

Am 12. März wurde in der Aula durch Fräulein Evelyn Heepe eine englische Rezitation veranstaltet. Im Sommersemester hatte schon eine deutsche Rezitation stattgefunden und am 21. November 1911 Herr Pivert einen französischen Vortrag mit Lichtbildern gehalten. Die Kosten dieser Vorträge wurden aus den von den städtischen Behörden für solche Zwecke bereitgestellten Mitteln bestritten.

Am 14 und 15. März wurde unter dem Vorsitz des Königlichen Provinzialschulrats Herrn Dr. Graeber die mündliche Schlussprüfung abgehalten. Am 14. März bestanden von 15 Schülern der Klasse IA 14 die Prüfung, am 15. März sämtliche 20 Schüler der Klasse l B.