Jahrgang 
1910
Einzelbild herunterladen

17

Aehnliche Erwägungen bestimmten das Lehrerkollegium, zu Beginn des Jahres die Gründung einer Ballspiel-Vereinigung unter den Schülern der obersten Klasse zu unterstützen, die an schuffreien Nachmittagen zweimal wöchentlich Fussball, Faustball oder Schlagball spielte. Die Mehrzahl der Schüler gehörte ihr an und erschien ziemlich regelmässig zu den freiwilligen Uebungen.

Auch die Handfertigkeit der jüngeren Schüler wurde gefördert; eine von Herrn Kauf- mann Ballier angeregte Ausstellung Teubnerscher Modellierbogen in der Turnhalle wurde tatkräftig unterstützt. Herr Zeichenlehrer Kasten übernahm neben den Zeichenlehrern anderer Anstalten das Ehrenamt eines Preisrichters, und der Berichterstatter stiftete 2zwei Buchprämien. Von 100 Arbeiten konnten 28 mit einem Preise ausgezeichnet werden.

In den letzten Schulwochen besuchte die oberste Doppelklasse die Wasser- und Kanalwerke, die Rieselfelder und die Gasanstalt, hier hatte Herr Direktor Schneider die grosse Güte, die Schülergruppen persönlich zu führen, so dass sie ein klares und vollständiges Bild des umfangreichen Betriebes in allen seinen Einzelheiten erhielten.

Die Vereinigung ehemaliger Realschüler übte im Sommer auf dem Schulhofe all- wöchentlich Volks- und Jugendspiele, während sie im Winter regelmässig in der Turnhalle turnte. Als Zeichen ihrer Anhänglichkeit und Dankbarkeit überwies sie zum 27. januar zwei Buchprämien und der Schüler-Unterstützungs-Kasse einen Beitrag. Es ist recht wünschenswert, dass alle Schüler, die mit dem Reifezeugnis die Anstalt verlassen, sich dieser Vereinigung zur Pflege gesunder Leibesübungen anschliessen, wenn sie in Cottbus bleiben, oder sobald sie hierher zurückkehren.

VI. Mitteilungen an die Eltern unserer Schäler.

1. Das ueue Schuljahr beginnt Montag, den 24. April 1911, für die Realschule um 8, für die Vorschule um 10 Uhr.

2. Die Aufnahme-Prüfung ist Montag, den 24. April, vormittags 9 Uhr im Schulgebäude, Zimmer Nr. 8. Die Schüler haben Feder und Papier mitzubringen.

3. Die beste, zweckmässigste Vorbereitung für die Hauptanstalt wie für jede andere höhere Schule gewährt unsere Vorschule in 3 Klassen(4 Abteilungen) vom vollendeten 6. Jahre an.

4. Das Schulgeld beträgt 130 für alle Klassen der Realschule und 120 für die Vorschule nebst 50 Zuschlag für diejenigen auswärtigen Schüler, die nicht in der Stadt in Pension sind. Die Stadtverordneten-Versammlung hat zehn Prozent des Schulgeldertrages für Freistellen bewilligt. Sie werden den Zöglingen gewährt, bei denen hervorragende Begabung, Pflichtgefühl und Bedürftigkeit zusammentreffen.

5. Zeugnisse werden den Schülern im Herbst, zu Weihnachten und Ostern erteilt. Bei ihrer Durchsicht bitte ich nicht so sehr denSitzplatz, die Rangordnung, zu beachten als vielmehr die Zensuren in den einzelnen Unterrichtsgegenständen und geneigtest zu be- rücksichtigen, dass bei der Versetzung über mangelhafte oder ungenügende Leistungen in dem einen oder anderen Fache nur hinweggesehen werden kann, wenn die Persönlichkeit und das Streben des Schülers seine Gesamtreife gewährleisten. Unzulässig ist ferner eine Nachversetzung am Anfang des neuen Schuljahrs.

6. Durch die Dienst-Anweisung vom 12. Dezember 1910 sind die Prädikate für das Betragen wesentlich geändert. An die Stelle der bisherigen drei Prädikate: Lobenswert, Gut, und Im ganzen befriedigend, sind fünf getreten: Sehr gut, Gut, Im ganzen gut, Nicht ohne Tadel und Tadelnswert.