Jahrgang 
1832
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C.. Lur Cyronik des Gymnauium. 3

Das neue Schuljahr begann den 13. October wie gewöhnlich mit Bekanntmachung der

Schulgesetze und mit Aufnahme der neuen Schüler. Ausser den Osterferien trat keine län- gere Unterbrechung ein. 1 8

Der Lehrer Herr fühlte sich nach anderthalbjähriger Krankheit wieder fähig, seine

Lehrstunden zu übernehmen, weshalb der bisher für ihn fungirende Schulamtscandidat Karst abgehen konnte.

In der Mlitte Februars folgte der Oberpfarrer Nebe, der seit dem Herbst 1827 den evan- gelischen Unterricht an unsrer Anstalt gab, einem Rufe als Geistlicher in Rossleben. In seine Stunden theilten sich interimistisch die Oberlehrer Dr. Schirlitz und Graff.

Der Geburtstag Sr. Majestät unsers Königs wurde im Schulsaale festlich mit einem Re- deactus begangen, in welchem nach einem Chorgesange zuerst der Primaner Theodor Reck aus Neuwied in teutscher Sprache das Thema behandelte: Wie feiern teutsche J ünglinge den 4 Geburtstag ihres Fürsten würdig? darauf der Unterzeichnete mit einer Rede De fide Germa-

norum erga Principes auftrat, aber leider durch plötzliches Unwohlseyn an deren völliger Durchfahrung verhindert wurde.

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Mit höherer Genchmigung ist im Laufe dieses Sommers, nach dreizehnjähriger Unter- brechung, wieder ein Versuch mit gymnastischen Uebungen gemacht worden. Auf

endlich frisch und munter geübt. Die Leitung übèrnahmen einige aus ihrer Mitte, die das

lig der Director, dem es jetzt zu besonderem Vergnügen gereicht mitzutheilen, dass eben so wenig ein Unfall, als irgend Etwas wider Zucht und Oränunf vorgekommen ist. Exr darf dar- um hoffen, dass in Zukunft manche Aeltern weniger bedenk

die als Bedingung für die Aufnahme geforderte Einwilligung zu geben. Schon ist an mehrern Orten unsers Staates, in Magdeburg, Minden, Erfurt, Halle, Coblenz u. a. die edle Gym- nastik aus ihrem Schlafe Whecher erweckt worden: mit Mass und Vorsicht getrieben, ganz allein auf das nächste Ziel hingerichtet, wird sie gegen Vorwürfe, die sie früher durch Her- einziehung fremdartiger Elemente veranlasst haben mag, sich zu verwahren wissen und, statt Trotz, Uebermuth, unjugendlich düstere Lebensansicht, Scheu vor ernstwissenschaftlicher Anstrengung hervorzurufen, vielmehr Bescheidenheit, Gehorsam gegen das Gesetz, heitern Sinn und rästige Geistesthätigkeit befördern helfen; sie kann eben so sehr eine Bewahrerin vor trägem Herumschlendern oder gar vor Abwegen der Lockerheit und Ueppigkeit werden, 3 als sie ohne Widerspruch ein heilsames Gegengewicht ist gegen das viele Einsitzen unserer, bei gesteigerten Anforderungen, ohnehin immer kränklicher werdenden Jugend. Doch sie bedarf unter vorurtheilfreien Schulmännern keiner Lobrede, und die Acten scheinen, nach

langem Für und Wider, geschlossen werden zu können. Curandum, ut sit mens sana cum corpore sano und abusus ne tollat usum.

Es ist dieses Schuljahr nicht vorübergegangen, ohne dass mehrere Lehrer durch länger. andauernde Krankheiten an der Ausübung ihres Berufs gehindert worden wären; namentlich mussten die mathematischen Lehrstunden ein Vierteljahr lang fast ganz unterbleiben, wenn ie auch mit andern Fächern des Unterrichts theilweise ausgefüllt wurden.