Jahrgang 
1841
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1 V. Chroniſk.

4 LS4s Schuljahr 1840 41 begann am 26. Oktober des Morgens um 8 Uhr in der gewöhnli⸗ hen Weiſe. 4

Zu Anfange Novembers erſchien der Königliche Geheime Regierungsrath Herr Dr. Eilers aus Coblenz und berief die ſämmtlichen ordentlichen Lehrer der Anſtalt zu einer Conferenz, wo er denſel⸗ ben im Auftrage des Königlichen Hochlöblichen Provinzial⸗Schul⸗Collegiums die Mittheilung machte, daß der Director Herr Herbſt aus ſeinen bisherigen Dienſtverhältniſſen ausgeſchieden ſei und als Ober⸗ lehrer nach Duisburg gehen werde, der dortige Oberlehrer aber Herr Dr. Kleine als erſter Oberlehrer an das hieſige Gymnaſtum verſetzt worden ſei. Zugleich habe das Königliche Hohe Miniſterium verfügt, daß die Directorial⸗Geſchäfte dem bisherigen erſten Oberlehrer Profeſſor Dr. Axt übertragen würden, indem es denſelben zum künftigen Director deſignirt habe. Der Königliche Commiſſarius übertrug hierauf dem Profeſſor Art die Direction, verpflichtere ihn auf den Inhalt der ihm mitgetheilten In⸗ ſtruction, machte auch die anweſenden Lehrer mit derſelben bekannt und eröffnete demnächſt, daß der Oberlehrer Dr. Kleine vor dem erſten Januar k. J. in ſeine neue Stellung nicht werde eintreten kön⸗ nen, und daß daber hinſichtlich des Lectionsplans eine interimiſtiſche Anordnung nothwendig ſei. Eben derſelbe brachte hierauf das Betreffende aus Vorſtehendem zur Kenntniß der Schüler. Dem gemäß wurde bis Weihnachten nach einem interimiſtiſchen Lehrplane unterrichtet; nach dem unter I. abgedruckten erſt vom Neujahr 1841 an, wo der Oberlehrer Herr Dr. Kleine eintrat, um Kraft und rege Theilnahme unſerer Anſtalt zu widmen, nachdem derſelbe von Profeſſor Dr. Axt bei Wiederer⸗ öffnung der Schule unter Hinweiſung und Verpflichtung auf ſeinen frühern Dienſteid feierlich und förmlich in das neue Amt eingefuhrt, als College bewillkommt und den Schülern als neuer Lehrer vorgeſtellt worden war; worauf auch er in einer angemeſſenen Rede Collegen und Zöglinge begrüßte. Einige Tage nachher wurde ſein Eintritt von Seiten der Collegen durch ein gemeinſames Mahl gefeiert.

Herr Oberlehrer Dr. Ottomar Friedrich Kleine, geboren zu Soeſt in Weſtphalen, am 11. Dezember 1800, evangeliſcher Confeſſion, wurde auf dem Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und auf den Univerſitäten Göttingen, Leipzig und Berlin gebildet, woſelbſt er auch bis Oſtern 1825 Mitglied des pädagogiſchen Seminars war und bis Michaelis deſſelben Jahres am Gymnaſium zum grauen Kloſter, bis Oſtern 1825 am Werderſchen Gymnaſium unterrichtete. Eine ordentliche Lehrſtelle bekleidete er zuerſt zu Düſſeldorf, und zwar von Oſtern 1825 bis zum Herbſt 1830, wo er als zweiter Oberlehrer nach Duisburg befoͤrdert wurde. Außer verſchiedenen Abhandlungen und Recenſionen in gelehrten Zeitſchriften und Programmen hat er ſich bekannt gemacht durch die Bearbeitung und Herausgabe der Fragmente des Steſichorus.

Durch die Gnade der Hohen Behörden bezog der Profeſſor Dr. Axt ſchon ſeit dem Neujahr das dem Director etatsmäßig beſtimmte Einkommen und hatte die Dienſtwohnung inne; bis zu welcher Zeit noch Herr Profeſſor Herbſt im Genuſſe von beiden geblieben war. Innerhalb deſſelben Viertel⸗ jahres wurden auch die Acten und die uͤbrigen Gymnaſialgegenſtände vom vormaligen Director dem Profeſſor Axt überwieſen, welcher die erſtern ordnete, heften ließ und ein Repertorium anlegte, auch ein Dienſtjournal eröffnete. In der letzten Woche des Aprils beſtand Profeſſor Axt das vorſchrifts⸗ mäßige colloquium pro rectoratu bei der Königlichen Wiſſenſchaftlichen Pruͤfungscommiſſion zu Bonn. Bei ſeiner Ruckkehr hatten ihm Collegen und Schüler eine Bewillkommungsfeier veranſtaltet: von zweien der erſtern am Morgen nach ſeiner Ankunft abgeholt und in die mit Blumen und Kränzen ge⸗ ſchmuckte Aula geführt, wurde er daſelbſt mit Geſang und Muſik empfangen, und mit Anreden der Amtsgenoſſen und der Zöglinge begrüßt; worauf ihm die Herren Oberlehrer Dr. Kleine, Graff und Profeſſor Dr. Schirlitz im Namen des Lehrcollegiums von ihnen verfaßte Gedichte überreichten. Er⸗ griffen von dieſer Guͤte und Freundlichkeit drückte Profeſſor Axt Allen in wenigen Worten ſeinen ge⸗ ruhrten Dank aus.