Jahrgang 
1841
Einzelbild herunterladen

Geiſtesthätigkeit in der Thierwelt.

Ein Beitrag zur Pſychologie der Thiere.

Das Thier entſteht, wie die Pflanze, aus dem formloſen, zelligen Keimſtoffe. In der Keim⸗

ſcheibe, blastoderma, erſcheinen zuerſt die Elemente des Nerven⸗, Blut⸗ und Darmſyſtems(ſerö⸗

ſes, Gefäß⸗ und Schleimblatt) und aus dieſen Elementen entwickeln ſich dann die Organe.

Inſofern der Keim formlos iſt, und nicht der Complex der Organe im Kleinen, ſo wachſen

5 nicht, ſondern entſtehen durch Erzeugung, Schaffung. Dieſe geſchieht aber nach gewiſſen eſetzen:

1) Die Erzeugung der Eentraltheile, als potentieller Ganzen, bedingt die Entwickelung der Organe; dieſe aber harmonirt mit der ſpäteren Function derſelben, mit dem körperlichen und geiſtigen Beſtehen des Thieres als Individuum und als Glied der Thierwelt. Im Keime muß alſo vor der Schaffung eine Kraft thätig geweſen ſeyn, die alles dieſes vorgeſehen und zu Erreichung ihres Endzieles die zweckmäßigſten Mittel gewählt hat. Eine ſolche Kraft aber nennen wir eine geiſtige, und in dieſem Sinne können wir mit Ernſt Stahl ſagen: Der Geiſt iſt der Baumeiſter des Körpers.

2) Die Erzeugung der Organe geſchieht nach gewiſſen unabänderlichen Normen, je nach der Species und Gattung, zu welcher das keimende Thier gehört. Die Erforſchung der un⸗ tergegangenen Thierarten lehrt, daß die einfacheren zuerſt die Erde bewohnt und erſt ſpäter die zuſammengeſetzteren, vollkommneren entſtanden ſind. Die Unabänderlichkeit der Erzeugungsnorm, wie wir ſie bei den jetzt exiſtirenden Thierarten finden, iſt daher gewiß nicht als eine Schranke für die Freiheit jener Geiſteskraft zu betrachten, vielmehr mag dieſelbe wohl eben in den Zwe⸗ cken dieſer Kraft liegen, und Jahrtauſende und aber Jahrtauſende mögen vergehen, ehe die nach dieſen Zwecken geſchaffenen Thierarten, der ewigen Ordnung der Welt gemäß, die Stufen der Vollkommenheit erſteigen.

1*