Bei der Durchſicht, der während des Schuljahres beendigten Penſa wird ſich leicht er⸗ geben, daß wir bemüht geweſen ſind, den Fäuslichen Fleiß der Schüler theils durch die Maſſe des Stoffs, theils durch mannichfaltige Aufgaben und Übungen in Athem zu er⸗ halten. Vorbereitungen auf die Penſa in Sprachen und Wiſſenſchaften, Wiederholung des Gehabten, welche meiſtentheils ſchon in der nächſtfolgenden Stunde und, als Generalrepetition, etwa zwei oder dreimal Mal im Semeſter eine ganze Woche hindurch angeſtellt wird, ſchrift⸗ liche Überſetzungen aus der teutſchen in die alten Sprachen und umgekehrt, eigene Ausarbei⸗ tungen und Aufgaben aller Art, Anlegung von Adverſarien, Auswendiglernen von Wörtern, Regeln und Gedichten u. ſ. w. ſollen der jetzt ſo häufigen Arbeitsſchen und Zerſtreuungsluſt ſteuern und für ein gründliches geiſtiges Leben gewinnen. Obgleich das multa tulit fe- citque puer, fudavit et alſit ſich immerdar bewährt hat, ſo kann man doch namentlich der jetzigen Jugend keinen größern Gefallen erweiſen, als wenn man ſie ſtreng zu geregel⸗ ter Arbeitſamkeit anhält und den Hang zum Hindämmern und Hinſchlendern austreibt. Ohnehin drängt ſich jetzt aus leicht begreiflichen Gründen faſt Alles zum Studiren;z läßt man die⸗ ſes als eine leichte, bloß ergötzliche und gemüthliche Sache erſcheinen, ſo wird man dem wegen geiſtiger Beſchränktheit Unberufenen eder bei beſſern Aulagen Matten und Beſtrebungsloſen die Thür zu einem Berufe öffnen, den ſie, ſich ſelbſt und dein Staate zur Laſt, durch Unver⸗ mögen und Unwürdigkeit nur entehren können. Anforderung an Arbeit iſt ein guter Prüfſtein. Das iſt unter Schulmännern, welche am meiſten die Früchte davon ſehen, und unter allen Verſtändigen als Wahrheit anerkannt. Aber manchen Aeltern kann ſie zur Beherzigung nicht genug wiederholt werden, welche gar leicht und bald beſorgen, ihren Kindern werde über Macht aufgebürdet, und nicht einſehen können oder wollen, daß der Knabe entweder träg und locker, oder ſchwach und unfahig iſt, alſo im erſten Falle geſpornt, im zweiten einem andern Lebens⸗ berufe als den Studien beſtimmt werden müſſe. Fern ſey es übrigens, die Anforderungen zu hoch ſpannen, fern, die ſich entwickelnde Körpernkraft frühzeitig brechen, den jugendlichen Frohſinn knicken, die Schule in eine Art Zucht⸗ und Arbeitsanſtalt, worin der eingeſchüch⸗ terte und gedrückte Schüler nie menſchlich froh würde, umwandeln zu wollen: ein Ertrem, zu welchem gewiſſe rigoroſe Zeitanſichten führen könnten. In dumpfer Luft aber gedeiht der Baum der Wiſſenſchaften ſo wenig, als ein andrer.
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