Jahrgang 
1833
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und Ort ſind ſie die unſichtbaren Vermittler zwiſchen den entfernteſten Weſen, die ſich korperlich viel⸗ leicht nie begegneten, oder nie begegnen werden, ſie bilden die wunderbare Einheit zwiſchen Gegen⸗ wart und Zukunft, zwiſchen jetzigem und künftigem Leben. Wer es nie verſtanden, daß wir ſchon in dieſem Leben ſolchen höhern Zuſammenhang haben, daß alle beſſere Menſchen, ob nah oder fern, ein geiſtiges Band verknüpft und daß wir nur in ſolchem Bunde die Fortdauer unſerer Freundſchaft, die Befriedigung unſerer edelſten Sehnſucht und Liebe ſuchen ſollen, der nimmt es wahr, oder wünſcht es wenigſtens, in der Stunde des Abſchiedes.

Wie manche theure Menſchen, uns einſt nahe, jetzt aber fern, wohnen noch geiſtig mitten unter uns! Wie manche Edle, deren Staub ſchon verweht iſt, leben noch friſch in unſern Herzen! Ich denke eben mit Rührung eines Mannes, der auch einſt an dieſer Anſtalt mit Kraft und Liebe wirkte, der auch Euer Wohl, theure Zöglinge, mit uns durch Lehre und Rath förderte, der uns ein lieber Freund und Gehülfe war ich denke des ſeligen Profeſſor Beneckendorf. In der kräftigſten Männlichkeit ſeines Lebens ſchied er voriges Jahr von hinnen: ſein ruhiges, freundliches Gemüth waltete oft noch wohlthuend unter uns, nachdem er dieſe Bildungsſtätte verlaſſen hatte, und auch aus den Wohnungen der Seligen wird er uns noch oft begrüßen. 1

Auch der jüngern Freunde aus Eurer Mitte, geliebte Jünglinge, ſind ſchon Manche in das Land des Friedens eingegangen. Ich denke des hoffnungsvollen Wilherm Furk el, ich denke des eifrigſtrebenden Heinrich Jung, ich denke des kindlichen, ſinnigen Karl Hille, ich denke des edlen Karl Vahlenbrach, der noch im Sterben Eurer mit Liebe gedachte, und Euch ein wohlthuendes Vermächtniß hinterließ. Unſere Augen ſehen ſie nie mehr, aber ein bleibendes, freudiges Andenken iſt uns ihr wackrer Sinn auch in früher Jugend.

Ja das iſt der Troſt, das iſt die Beſeligung, die uns auch bei der ſchmerzlichſten Trennung ſchon hier bleibt, daß wir von denen, die wir achten und lieben, nie getrennt werden können weder durch eine irdiſche Scheidewand, noch durch eine ewige.

Und in dieſem erhebenden Bewußtſeyn wollen denn auch wir getroſt von einander ſcheiden. Die Wehmuth werde dem überwältigenden Gefühle gezollt; aber die Freude bleibe im Herzen zurück, die freudige Gewißheit, daß wir auf immer verbunden ſind.

So lebet denn wohl, geliebte Zöglinge dieſer Anſtalt! Ich nehme Euch mit in den ſchönſten Erinnerungen meines Herzens. Soll auch ich Euch nahe bleiben, ſo laſſet den Sinn, den ich Euch ſtets, wenn auch nicht immer durch ſtrenge Mahnung, aber mit der ganzen Kraft meiner Seele einzuhauchen ſtrebte, laſſet dieſen Sinn, das edle Selbſtgefühl, die Quelle alles Großen, in Euch fortleben, wenn auch meine Stimme nicht mehr an Euch ergeht! 3

Lebt auch Ihr wohl, mir innigſt befreundete, theuerſte Männer! Euch hätte ich noch Viel zu ſagen; Euch habe ich Viel zu danken: Ihr geht mit mir in jede Ferne! Möchte auch ich Eurem An⸗ denken nicht unwerth bleiben! 1

Der Segen des Himmels walte über Euch Allen, wie über dieſer Anſtalt!