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in der ganzen Vorwelt geweſen wäre. Eben ſo ſagt Diodoros V. 64, wo von Kreta und den Iäiſchen Dak⸗ tylen die Rede iſt, daß Einer derſelben Herakles geweſen, der die Olympiſchen Kampfſpiele eingeſetzt, daß aber die Nachwelt, wegen des gleichen Namens, dem Sohne der Alkmene die Einrichtung derſelben beigelegt habe. Und als Beweis hierfür, fügt er hinzu, wird angeführt, daß viele Weiber noch bis jetzt Zauberformeln(&rοαeς) von dieſem Gotte hernehmen, und ihn zu Amuletten(εοαααμαμαeτε) machen, weil er ſelbſt ein Zauberer geweſen, und ſich mit den geheimen Myſterien(xeꝰεν τ⁴ας relerds) beſchäftigt habe, welches Alles ſich zu dem Charakter des Herakles, Alkmenens Sohne, gar nicht paſſe(wohl aber jenem von Kreta, dem Idäiſchen, angemeſſen erſcheine).
Auch Pindaros ſagt im Anfange ſeiner zweiten Olympiſchen Ode, Herakles habe die Olympiſchen Spiele nach ſeinem Siege über den Tyrannen zu Elis, den Augeas?), wie der Scholiaſt bemerket, eingeführt, und die Sieger mit den erſten Früchten der Beute, die er in dieſem Kampfe mit Augeas gewonnen, belohnt;— und Pindaros gedenket auch in ſeiner dritten Olympiſchen Ode der Geſetze des Herakles, die er bei dieſen Spielen verordnet habe. Dieſer Herakles kann kein anderer ſein, als der thebäiſche.
Ferner berichtet Diodoros IV. 53: Nachdem Jaſon das Schiff der Argonauten, die Argo, auf der korinthiſchen Landenge dem Poſeidon geweiht, und als die Argonauten, an deren Fahrt Herakles Theil genommen, im Begriff ſtanden, aus einander zu gehen und jeder in ſein Vaterland zurück zu kehren, da habe Herakles den Fürſten den Rath gegeben, ſich gegenſeitig zu ſchwören, daß ſie einander beiſtehen wollten, wenn irgend einer von ihnen jemals des Beiſtandes bedür⸗ fen ſollte. Zu dieſem Zwecke ſollte der berühmteſte Ort zur Haltung eines Wettkampfes mit gemeinſamer Feier aufgeſucht, und diefer Wettkampf dem größten der Götter, dem Olympiſchen Zeus, geweiht werden. Nachdem darauf die Fürſten den Schwur der Verbindung abgelegt und dem Herakles die Anordnung der Wettkämpfe überlaſſen, habe dieſer zu der Feier die Gegend in Eleia am Fluſſe Alpheios ausgewählt und nach dem größten der Götter Olympia benannt. Alsdann habe er den Wettkampf zu Pferde und das Ringen angeordnet und nachdem er auch die Preiſe beſtimmt, habe er Herolde ausgeſandt an alle Städte und ſie zum Zuſchauen der Feſtſpiele einladen laſſen. In ſolcher Weiſe, ſagt Diodoros, war Herakles vorzüglich durch dieſe Anordnung der Olympiſchen Feier der berühmteſte unter allen Griechen geworden.
Aus allen dieſen Nachrichten geht deutlich hervor, daß in der mythiſchen Zeit jedenfalls ein Herakles der eigentliche Gründer der Olympiſchen Nationalfeſtſpiele geweſen und daß, wenn es anders wirklich mehrere Heroen dieſes Namens gegeben, die ſpäteren wiederholt und erneut haben, was der frühere ſchon begon⸗ nen, und ſomit in der Sage die Thaten des Einen auf die des Anderen übergetragen und mit einander ver⸗ miſcht worden ſind. Wie aber die Mythe von den Thaten dieſer verſchiedenen Herakles aufzufaſſen und zu erklären ſei, gehört nicht hier her, und wir verweiſen darum gerne auf Müllers Geſchichten hellen. Stämme und Städte, II. 1. p. 444. ꝛc.
2. Die Olympiſchen Spiele werden von Orylos, dem Herrſcher von Elis, nicht ſowohl gegründet, als vielmehr erneut, gegen 1104 v. Ch. G.
Weiter reichen nicht die Nachrichten von beſonderen Herrſchern in Elis, welche nach dem Idäiſchen Hera⸗ kles ohne Unterbrechung die Spiele gefeiert, als bis zu Herakles, dem Sohne Amphitryon's, wie oben bemerkt, und es wird nun auf Oxylos übergeſprungen, der auch die Kämpfe angeſtellt, nachdem er mit den Herakliden in den Peloponnes eingedrungen und Elis eingenommen, und dieſes geſchah erſt im dritten Geſchlechte nach Hyllos, dem Sohne des Herakles.
7) Vergl. Diod. IV. 33. und Pauſan. V. 2. und 3. Apollod. VlII. 2.


