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Dem Herakles alſo, fügt Pauſanias hinzu, dem Idäiſchen, kommt der Ruhm zu, dieſe Kämpfe zuerſt ein⸗ geſetzt und ihnen den Namen Olympiſche gegeben zu haben. Alle fünf Jahre aber ſie zu feiern, ordnete er deßwegen an, weil er und ſeine Brüder ihrer fünf waren. Nach Einigen ſoll dann Zeus dort ſelbſt mit dem Kronos um die Herrſchaft gekämpft ³), oder, wie Andere wollen, nach dem Siege(über die Titanen) die Kampf⸗ ſpiele eingeführt haben. Unter andern Göttern aber, die dort geſiegt hätten, ſoll auch Apollon den mit ihm wett⸗ eifernden Hermes im Laufe übertroffen und den Ares im Fauſtkampfe überwunden haben. Darum, erzählen ſie, ſei auch die Pythiſche Flöte beim Tanze der Fünfkämpfer eingeführt worden, weil dem Apollon das Flö⸗ tenſpiel heilig geweſen und Apollon Olympiſche Siege davon getragen habe.
Nach dieſen Angaben des Pauſanias reicht alſo die Zeit der Gründung der Olympiſchen Spiele tief in die Mythen hinauf, und wenn man auch die Regierung des Kronos als gleichzeitig mit der des Kekrops in Attika, eines Zeitgenoſſen der Kureten und ihres Zeus, wie gewöhnlich, annimmt, ſo gewinnen wir doch in dieſer fernen Sagenzeit keinen beſtimmten Anfangspunkt, und zwar um ſo weniger, da die Eleier auch nichts von der nächſten Fortſetzung der Spiele, nach dem Herakles, berichten. Erſt etwa 50 Jahre nach der Deuka⸗ lioniſchen Flut(100 Jahre ungefähr nach dem Idäiſchen Herakles), ſagen ſie, wie Pauſanias(V. 8, 1.) weiter fortfährt, ſei Klymenos, der Sohn des Kardis, aus Kreta gekommen, ein Abkömmling des Idäiſchen Herakles, und habe die Spiele in Olympia angeſtellt und den übrigen Kureten ſowohl, als ſeinem Vorfahren Herakles, einen Altar erbaut. Darauf hätten noch folgende Herrſcher in Elis die Spiele gefeiert: Endymion, des Aöthlios Sohn, der den Klymenos geſtürzt und ſeinen Söhnen das Königreich als Kampfpreis eines Wett⸗ laufes zu Olympia ausgeſetzt habe; etwa ein Menſchenalter ſpäter Pelops, der das Kampfſpiel preiswürdiger als Alle vor ihm feierte; und nach der Vertreibung der Pelopiden aus Elis, ſtellte Amythaon, ein Verwand⸗ ter Endymion's, die Olympiſchen Spiele an, und nach ihm Pelias und Neleus in Gemeinſchaft, auch Augeas und darauf Herakles, Amphitryon's Sohn, der Elis eingenommen und den Augeas geſtürzt und alsdann im Ringen und Allkampf den Sieg davon getragen. ⁴)
Hiernach wird dieſer letzte Herakles, der auch der thebäiſche heißt, weil er in Theben, wohin ſein Vater aus Tirynth geflohen, erzogen worden, der Sohn Amphitryon's, oder des Zeus und der Alkmene,³) von dem früheren, dem Idäiſchen, unterſchieden, und Strabon bemerkt VIII. 355: Einige ſagen, Herakles, einer von den Idäiſchen Dak⸗ tylen, ſei der Gründer dieſer Spiele, Andere nennen des Zeus und der Alkmene Sohn, der auch hier zuerſt gekämpft und geſiegt habe.— Und Diodoros III. 73, wo von verſchiedenen Bakchos die Rede iſt, ſpricht von drei Herakles: der älteſte, der ägyptiſche, der die Säule in Afrika errichtete, der kretiſche oder idäiſche, der die Olympiſchen Kampfſpiele gründete, und der letzte, der Sohn des Zeus und der Alkmene, der thebäiſche, der kurz vor dem troja⸗ niſchen Kriege lebte, die Befehle des Königs Euryſtheus(von Attika) ausführte 6) und die Säule in Europa aufſtellte; und dieſem letzteren, fügt Diodoros hinzu, wurden wegen der Gleichheit des Namens und der Aehn⸗ lichkeit des Charakters, nach einer geraumen Zeit, die Thaten der älteren beigelegt, als wenn nur Ein Herakles
³) Vergl. Pauſan. VIII. 2, 1, wo er ſagt: die Olympiſchen Spiele, welche man über die Zeiten des Menſchengeſchlechts hinausführt(ewardyoude pdo d* aurdv és rd duortgo zopd dνρπσω ꝓεοες, wo Kronos und Zeus gerungen und die Kure⸗ ten zuerſt den Wettlauf angeſtellt haben ſollen(⸗aν ας Kougyres Sαναμμν*τιιντ⁷², kann ich deßwegen nicht zu den Lykäiſchen und Panathenäiſchen Feſtſpielen rechnen.
4) S. Pauſan. V. 2, 1. und 3, 1. und V. 8, 1: α s ze dreονo zai aꝓxgaxiov viag.
⁵) S. Diod. IV. 9 und 10.
³) Vergl. Diod, IV. a. a. O.


