§ 1.
Vorbemerkungen.
Die Schulen haben das ſchöne Vorrecht, ſich als einen vorzüglichen Schauplatz der Lehr⸗ thätigkeit unſers HErrn und Meiſters anſehen zu dürfen, denn wie oft heißt es nicht in den Evan⸗ gelien: und Jeſus ging umher im ganzen Lande, lehrte in ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reiche Gottes; ſ. Matth. 4, 23. 9, 35. 13, 54. Mark. 1, 21. 39. 6, 2. Luk. 4, 15. 13, 10. Joh. 18, 20. Auch die Apoſtel, namentlich der Apoſtel Paulus, betrachteten die Schule als den geeignetſten Platz ihrer Lehrthätigkeit, denn in der Apoſtelgeſchichte heißt es mehrere Male: er ging aber in die Schule und predigte frei—— lehrete und beredete ſie von dem Reiche Gottes; vergl. Apoſtelg. 9, 20. 13, 5. 14, 1. 18, 4. 19, 8. Sollten ſich dieſer Auszeichnung nicht alle Schulen, alſo auch die Gymnaſien, immerfort bewußt bleiben, ja derſelben ſich in hohem Grade freuen? Wäre dieſes der Fall, ſo würde jede Schule auch Zeugniß geben, daß ſie eine chriſtliche iſt; die Gymnaſien, die wir jetzt zunächſt im Auge haben, würden vorzugsweiſe ihren Dank für jenes Vorrecht durch aufrichtiges und freies Bekenntniß des chriſtlichen Glaubens an den Tag legen, weil ſie ja ihrem hiſtoriſchen Urſprunge und Zwecke nach Anſtalten
ſein ſollen, welche das Reich Gottes auf Erden, alſo die chriſtliche Kirche in beſonderem Sinne zu fördern berufen ſind. Sie ſind in der evangeliſchen Kirche an die Stelle der aus dem Schoße der Kirche hervorgegangenen Kloſter⸗ und Domſchulen im Mittelalter getreten, deren Hauptziel war, fortpflanzende, berathende, helfende und ſchützende Glieder der Kirche in allen Ständen und Berufs⸗ arten oder Aemtern in der Chriſtenheit aus ihren Zöglingen zu bilden.*) Wie ſehr jedoch und wie oft gerade die Gymnaſien ihren kirchlichen Urſprung, ihre chriſtliche Tendenz beſonders in der erſten Zeit des gegenwärtigen Jahrhunderts vergeſſen haben, iſt eine Thatſache, die von Nieman⸗ dem, der jene näher beobachtet hat, geleugnet wird. Es haben ſich daran ſchwere Anklagen**) gegen
*) Wir haben zu anderer Zeit dieſen Gegenſtand umſtändlicher erörtert; wir erinnern an die im Jahre 1843 in der Aula des Gymnaſiums gehaltene Rede zum Geburtstage des Königs. Im Uebrigen vergl. man Dr. C. D. Klopſch: Gymnaſien und Kirche u. ſ. w. Berlin 1842. und Dr. Th. Vömel: die chriſtliche Gymnaſial⸗ Bildung. Frankfurt a. M. 1843. **) Vergl.: Ein Wort über unſre Gymnaſien. In der evangeliſchen Kirchenz. Febr. 1850. No. 10. S. 93 folgg. 1


