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zeigte ſich derſelbe zwar zur verſprochenen Kreuzfahrt geneigt; aber nachdem es weder dem Papſte, noch dem König von Jeruſalem, der faſt alle Reiche des Abendlandes durchzogen, noch des Meiſters eigenen Bemühungen auf ſeiner Reiſe in Oeſterreich, am Main und Rhein, in Thüringen und Franken gelungen war, die Fürſten und Völker zu einem neuen heiligen Zuge zu gewinnen, nachdem er ſich überzeugt, daß der alte feurige Glaubenseifer aus allen Gemüthern entſchwunden war, fand er den Kaiſer, dem er bei ſeiner Rückkehr dieſe traurige Mittheilung machen mußte, anders geſtimmt, und an einen Kreuzzug war ſobald nicht zu denken.
Um ſo mehr Verdienſte erwarb ſich jedoch Hermann um den Kaiſer und den Papſt, deren Streitig⸗ keiten alsbald ausbrachen, und die, ſowie auch die bedenklichen Mißhelligkeiten des Kaiſers mit den Lombarden, vorzüglich durch ſeine Vermittlung einigermaßen wenigſtens ausgeglichen wurden. Aus Dank⸗ barkeit erhob ihn der Kaiſer mit allen ſeinen Nachfolgern zur Würde eines Reichsfürſten und verlieh ihm die Erlaubniß, auf ſeinem Schilde und ſeiner Ordensfahne den ſchwarzen Adler zu führen, wozu ſpäter König Ludwig der Heilige noch die franzöſiſchen Lilien fügte, und der Papſt beſchenkte ihn mit einem koſtbaren Ringe.— So ſtieg immer höher noch die Achtung und der Einfluß des Hochmeiſters, wie er nun allmählig genannt wurde, und reich beſchenkt mit Gütern und vielfachen Privilegien, beſonders in Deutſchland, ſtand ſein Orden als mächtiger, weit verzweigter Brüderverein da, der überall hülfreich ſich zeigte, wo es die Sache Chriſti und die um dieſelbe leidende Menſchheit galt, und er mußte jetzt ſchon für die Beaufſichtigung ſeiner abendländiſchen Beſitzungen einen eigenen Deutſchmeiſter zu Mergentheim anſtellen. Doch im Morgenlande waren ſeine Anſtrengungen nicht mit günſtigem Erfolge gekrönt, nur von Gefahren und Verluſten ſah er ſich umringt, und ſo ſollte plötzlich um's Jahr 1226 ſeinem Wirkungs⸗ kreiſe eine andere Richtung geboten werden, die ihm ſegensreichere Früchte verſprach.
. Die Preußen nämlich, ein heidniſches Volk, das im Oſten der unteren Weichſel an den Küſten der Oſtſee die Wohnſitze einnahm, welche früher die Aeſten, Withen, Gothen, Semen oder Sember ꝛc. inne hatten ³), und deren Name von den Heidenbekehrern zuerſt im Anfang des 11. Jahrhunderts am Hofe des Polniſchen Herzogs Boleslav's I. Chrobri, des Tapferen(992— 1025), vernommen wurde 6), machten häufige verwüſtende Einfalle, vorzüglich gegen Polen hin, und die Polniſchen Herzoge, die ſchon im 10. Jahrh. das Chriſtenthum angenommen ⁷) und ſeit Boleslav I. vergeblich die Preußen durch wiederholte Heereszüge zu unterwerfen geſucht, hatten die Heidenbekehrer etwa ſeit 996, wo der Biſchof Adalbert von Prag als der erſte Apoſtel der Heiden an dem Hofe des Herzogs Boleslav erſchien, gerne in ihren Bemühungen gegen die heidniſchen Preußen unterſtützt; aber die gefahrvollen Anſtrengungen des Biſchofs Adalbert von Prag, der im ſüdlichen Samland bei Tenkitten im April 997 ermordet wird, des Erzbiſchofs Bruno von Querfurt im Jahre 1008, des Biſchofs Heinrich von Olmütz im Jahre 1141, des Abtes Gottfried von Lukna mit dem Mönche Philipp im Jahre 1207, des Ciſtercienſier Mönchs Chriſtian von Oliva,(ſeit 1209), der vom Papſte zum Biſchof der Preußen
³) Ihr Gebiet zerfiel im 12. Jabrb. in 11 von einander unabhängige Landſchaften: Kulmerland, Pomeſanien, Pogeſanien, Warmien oder Ermeland, Natangen, Bartien oder Barterland, Galindien, Sudauen, Samland, Nadrauen und Schalauen; an der Spitze dieſer Landſchaften ſtand ein Reik als Kriegsführer und ein Griwe als Prieſter und Richter, und neben den Reiks ſtanden die Landesedlen.
*) Die Polen nannten die weſtlich von der Weichſel das Küſtenland Bewohnenden„die an dem Meere, Po⸗morski, Pomeraner, Pommern“, und die oſtwärts von der Weichſel bis an die Gränzen von Rußland„die an den Ruſſen, Po⸗ „Ruſſen, Pruſſen.— Preußen.“
» Miecislav oder Mjesko aus dem Fürſtenſtamme der Piaſten war um's Jahr 966 aus Liebe zu ſeiner chriſtlichen Gemahlin Dombrovka, einer Tochter des böhmiſchen Herzogs Boleslaw, zum Chriſtenthum übergegangen, und bald darnach folgte das polniſche Volk ſeinem Beiſpiele.


