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Doch bald ſollte eine geregeltere Pflege auch für die Deutſchen eintreten. Einige fromme Bürger aus Lübeck und Bremen, die unter der Kreuzfahne des Grafen Adolf von Holſtein und Schauenburg in's heilige Land gepilgert waren, boten, voll chriſtlichen Mitleids, ihre Schiffsſegel zu Zelten dar und pflegten darunter die kranken deutſchen Pilger; gerne ſchloſſen ſich die deutſchen Hospitalbrüder hülfreich an ſie an, und noch vor dem Ende des Jahres 1190 faßte der junge Herzog Friedrich von Schwaben, der mit beſonderem Wohlgefallen auf dieſes Werk der chriſtlichen Liebe hinblickte, den folgenreichen Entſchluß, dem Vereine der Bürger aus Lübeck und Bremen und der Brüder aus Jeruſalem eine feſtere Grundlage zu geben und ihn in einen geregelten Ritter⸗Orden, gleich den beiden anderen, umzuſchaffen.
Ohne Verzug theilte Friedrich in einer feierlichen Rathsverſammlung von Fürſten und Biſchöfen, welchen ſich der König und Patriarch von Jeruſalem, der Meiſter des Tempel⸗ und Johanniter⸗Ordens und andere Herrn des Abend- und Morgenlandes anſchloſſen, ſeine großmüthige Entſchließung mit; ſie fand allgemeinen Beifall, und es wurde für zweckmäßig erachtet, daß die Ritterbrüder des neuen Ordens als Kämpfer für die Sache Chriſti an die Regeln der Tempelherrn, als Pfleger der Leidenden aber an die Regeln der Johanniter gebunden ſein ſollten; unter dem Schutze der Jungfrau Maria ſtehend, ſollten ſie Ritter unſerer lieben Frauen oder Brüder des Hospitals unſerer lieben Frauen der Deutſchen zu Jeruſalem ¹) heißen. Der Papſt Clemens III. und der deutſche Kaiſer Heinrich VI. ertheilten der neuen Stiftung die Beſtätigung und alsbald erhielten, nachdem der Herzog Friedrich im Januar 1191 geſtorben war, vierzig Ritter von dem Patriarchen von Jeruſalem die Weihe, indem er ihnen ein geweihtes weißes Ritterkleid mit ſchwarzem Kreuze anlegte und den Orden mit allem ſeinem jetzigen und künftigen Beſitze in den Schutz des heiligen Petrus erklärte. Darauf wurde zum erſten Meiſter, der über Ehre, Ordnung und Zucht der Ordensglieder, wie über die Verwaltung der künftig dem Orden zufallenden Ländereien wachen ſollte, der tapfere, fromme Ritter Heinrich Walpot von Baſſenheim aus den Rheinlanden noch in dem Jahre 1191 feierlich erkoren.
Im Juli dieſes Jahres nahmen endlich die Chriſten Akkon ein, und nun wurde daſelbſt für die Ritterbrüder des deutſchen Ordens ein Hospital mit Gebethaus und mehreren Wohngebäuden aufgerichtet und, mit Mauern und Thürmen umgeben, hieß es das deutſche Haus oder Hospital des deut⸗ ſchen Ordens. In dieſer erſten feſten Heimath des Ordens bildete ſich allmählig nach den Anord⸗ nungen des Papſtes Cöleſtins III. ſeine ritterliche Verfaſſung weiter aus ²), und von hier gewann er alsbald nach allen Richtungen hin durch Schenkungen, die man an ſeine verdienſtliche Tapferkeit und chriſtliche Milde knüpfte, ländlichen Beſitz, und in demſelben ſtiegen immer mehr Ordenshäuſer mit Rittern und Hospitalbrüdern empor. Indeſſen beim Tode Heinrich Walpot's im Jahre 1200 und auch noch unter ſeinem Nachfolger Otto von Kerpen, der bis 1209 als Meiſter genannt wird, ſtand der Orden an Einfluß und Umfang den beiden ältern Orden noch weit nach; aber unter dem dritten Meiſter Hermann von Barth, der im Jahre 1209 an die Spitze des Ordens trat, gewann er im Abend⸗ land, namentlich in Deutſchland, und beſonders in Heſſen ³), bedeutende Ländereien und zeigte ſich auch im Morgenlande durch ſeine ruhmvolle Tapferkeit von entſchiedenem Einfluſſe auf die Verhältniſſe ſeiner Zeit. Hermann von Barth ſtarb ſchon im Frühling 1210 an ſeinen im Kampfe empfangenen Wunden, und nun folgte Hermann von Salza.
¹) Equites Teulonici hospitalis S. Mariae virg. Hierosolymitani, Marianer, Deutſchherrn.
²) Erſter Grundſatz war, daß nur Deutſche von freier und edler Herkunft aufnahmfähig ſeien, und zu den älteſten Einrichtungen gehörte wohl die Beſtellung eines ſogenannten Präceptors, ähnlich dem ſpäteren Großkomthur, der den abweſenden Meiſter zu vertreten hatte.
³) Die Kirche zu Reichenbach durch die Grafen zu Ziegenhain ꝛc. im Jahre 1207.


