Der deutsche Orden, ſeine Entſtehung und ſeine Eroberung Preußens, in kurzer Ueberſicht dargeſtellt.*)
1. Von der Entſtehung des Ordens bis zum Hochmeiſter Hermann von Salza, von 1128 bis 1210.
Bereits waren im Anfange des 12. Jahrhunderts die beiden Ritterorden der Johanniter und Templer ins Leben getreten und wirkten ſegensreich in der Pflege armer, erkrankter Pilger, ſo wie im Glaubenskampfe gegen die Feinde Chriſti, als gegen 1128 ein frommer Deutſcher, ergriffen von dem Elend der Pilgrime ſeines Volkes, in Jeruſalem ein Pilgerhaus erbauen ließ und es zunächſt der Pflege ſeiner erkrankten Landsleute widmete; es hieß alsbald das Deutſche Haus, das Deutſche Hospital zu Jeruſalem, und war die Wiege des Deutſchen Ordens. Unter dem Schutze der Jungfrau Maria, in einen weißen Mantel gekleidet, nannten ſich die Pfleger des Hauſes Brüder des St. Marien⸗ oder lieben Frauen-Hospitals zu Jeruſalem und bekannten ſich zur Regel des heiligen Auguſtinus. Aber auch deutſche Ritter traten alsbald dem Brüdervereine bei, und ſo übernahmen ſie auch neben der Pflicht der Krankenpflege gleich den anderen Orden die Vertheidigung des heiligen Landes mit dem beſtändigen Kampfe gegen die Ungläubigen, gewannen immer mehr Umfang und Bedeutung, und wirkten, von dem Papſte Cöleſtin II. ums Jahr 1143 unter die Obhut des Großmeiſters der Johanniter geſtellt, und von Kaiſer Friedrich I. durch Geſchenke unterſtützt, faſt 60 Jahre ſegensreich fort, bis im Jahr 1187 nach der unglücklichen Schlacht bei Chittim unfern Tiberias durch die Einnahme Jeruſalems ihrem Vereine der Untergang drohte. Zwar erlaubte der großmüthige Sieger, Sultan Saladin von Damask, den Hospitalbrüdern, ihre Krankenpflege fortzuſetzen; aber die meiſten von ihnen verließen mit den übrigen Chriſten die heilige Stadt, um für die Sache Chriſti unter den Johannitern mit dem Schwerte zu kämpfen. Gelegenheit hierzu bot ihnen die Feſtung Akkon, die eben von den Chriſten angegriffen wurde. Wer Waffen tragen konnte, eilte dahin, und nachdem der Herzog Friedrich von Schwaben mit dem Kreuzheere ſeines in Cilicien verſtorbenen Vaters Friedrichs I. im Herbſte des Jahres 1190 angelangt war, begann die eigentliche Belagerung der tapfer vertheidigten Stadt. Aber nach kurzer Zeit brach furchtbares Elend, Hungersnoth und Seuchen aller Art unter den Belagerern aus, und am meiſten wurden die deutſchen Pilgrime von dem Jammer der Mühſeligkeiten, der Entbehrungen und Krankheiten betroffen; denn die Tempelherrn und Johanniter wandten vorzüglich ihre Pflege den Franzoſen und Italienern zu, und die deutſchen Hospitalbrüder waren zu wenige, um ihren unglücklichen Landsleuten die erforderliche Hülfe und Unterſtützung gewähren zu können.
*) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die hierher gehörenden⸗Werke von Schloſſer, Rehm und beſonders Voigt benutzt worden ſind; ſowie daß dieſe Ueberſicht vorzüglich die Schule berückſichtigt.
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