Jahrgang 
1836
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erhielt er 1819 eine Lehrstelle an dem neuerrichteten, aber bald wieder eingegangenen Gymnasium in Neuwied. Endlich im Frühjahr 1822 kam er an die hiesige Anstalt als ordentlicher Lehrer und wurde 1824 Oberlehrer. Mit Besorgniſs sahen wir seit einigen Jahren seine Körperkraft hinschwinden; mühsam und immer mühsamer schlich er zur Schule, bis am 16. December ein Blutsturz seine Wirksamkeit hemmte, mehrere darauf folgende seinem Leben ein Ende machten. Am 12. Januar begleiteten Lehrer und Schü- ler die Leiche des Frühverstorbenen, der durch gute Sprachkenntnisse, Treue im Beruf, Geradheit und Munterkeit im Umgange sich ein achtbares Andenken erworben. Ruhe seiner Asche!*) 3 3.

Schon unter dem 25. Januar erhielt die Gymnasialdirection die officielle Nach- richt, dafs das Kön. Schulcollegium für schleunige Ausfüllung der entstandenen Lücke Sorge getragen, und schon am 11. Februar konnte der Unterzeichnete den Dr. Ernst August Fritsch, bisher am Kreuznacher Gymnasium, vor versammelten Lehrern und Schü- lern in seine neuen Functionen einweisen. Möge dem raschgewonnenen Mittarbeiter an dem Lehr- und Erziehungsgeschäfte unsrer Anstalt soviel Freude in seinem neuen Wir- kungskreise erwachsen, als sein Ernst und Eifer verdient!

Die Festrede am dritten August hielt vor zahlreichen Zuhörern der Oberlehrer Dr. Schirlitz und behandelte darin: Wieviel Ursache die Schulmänner haben, ein immer waches Auge zu behalten. Vorher trat der Primaner Heinr. Lindenborn aus Volperts- hausen mit einer teutschen Rede über das Thema auf: Welche Festgaben kann der studirende Jüngling seinem Landesfürsten als Angebinde an dessen Geburtstage darbrin- gen? Auſserdem declamirten drei Schüler, nämlich der Secundaner Adolph Mäller aus Hagen: Die Gröſse Gottes, von Ew. v. Kleist; der Tertianer Robert Ritter aus Hamm: Die wiedergefundenen Söhne, von Herder; der Quintaner Adolph Meier aus Krofdorf: Das Kind der Sorge, von Herder. Mit einem vierstimmigen Gesange begann und schloſs die Feierlichkeit.

Der Gesundheitszustand der hiesigen Lehrer war, so lange das Gymnasium steht, noch niemals so miſslich, wie in diesem Jahre, vornehmlich während des Sommerseme- sters. Nicht weniger als fünf Lehrer kränkelten mehr oder weniger, und zweimal ist der Fall eingetreten, dafs mehrere Tage lang drei zugleich ihre Stunden auszusetzen sich ver- anlaſst sahen. Da konnte es denn, bei dem gänzlichen Mangel an naher und genügender Aushülfe, nicht fehlen, daſs nicht zeitweise der Unterricht bedeutende Störungen erlitt und die Durchführung einzelner Pensa geradezu unmöglich wurde. Der Berichterstatter, der Gottlob zu den Gesunden gehörte, half nach Kräften aus und gab einen guten Theil des Sommers hindurch 4 6 Stunden wöchentlich mehr; eben so erst 2, zuletzt 4 Stun- den Dr. Fritsch, und zwischenein einige der andern Lehrer. Noch jetzt leidet Dr. Aæt, besonders an den Augen, deren Schwäche dem thätigen Manne Lesen und Schreiben unmöglich macht. 3

*) Die an seinem Grabe und darauf in der Schule gehaltenen Reden, ein im Namen der Schüler dargebrachtes Gedicht, desgleichen biographische Notizen hat Oberlehrer Dr. Schirlilz heraus- gegeben, unter dem Titel:Zur Erinnerung an A. A. Sleger etc. Wetzlar bei Wigand. 1836. 8. 42 S.

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