Jahrgang 
1893
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In der Physik: Kenntnis der wichtigsten Erſcheinungen und Gesetze aus den verſchiedenen

Zweigen der Physik und der Grundlehren der mathematiſchen Erdkunde. In der Chemie: Kenntnis der einfachsten Lehren.

In den vier ersten Jahren beſchränkt sich der Unterricht auf die Pflanzen- und Tierkunde;

den Mineralien sowie den physikaliſchen und chemiſchen Vorgängen wird erst von der Obertertia

ab besondere Aufmerksamkeit gewidmet; dies ſchließt aber nicht aus, daß bei leicht erkennbarer Beziehung auch ſchon früher ein wichtiges Mineral oder eine im Gesichtskreise des Knaben liegende physikalifche Erſcheinung zur Besprechung gelangt. Aufs engste jedoch hat sich der naturge- ſchichtliche Unterricht der beiden untersten Klassen mit dem geographilchen zu verbinden, damit aus der Fülle der dem Schüler zugeführten einzelnen Anſchauungen ein lebensvolles Gesamtbild der Heimat entstehe. 3

Die Jugend soll durch den Unterricht in der Naturbefchreibung eine Grundlage für die Orientierung in der sie umgebenden Natur erhalten. Hierzu sind gewisse geordnete Kenntnisse erforderlich; ebenso notwendig und fast wichtiger ist für ein solches Zurechtfinden die Lust am genauen Beobachten und Uebung darin sowie im Befchreiben und Zeichnen der angeſchauten Gegenstände. Deshalb werden die Schüler zur Auffassung zunächst einzelner wichtiger einhei- miſcher Pflanzen- und Tierformen, dann der Beziehungen verwandter Formen anzuleiten und allmählich zur Kenntnis der wichtigsten natürlichen Gruppen hinzuführen sein. Eine beson- dere Uebung in der Systematik unterbleibt. Auch nach Vollständigkeit ist nicht zu streben, weil dies zu einer Belastung des Gedächtnisses führen mübßte, sondern es beſchränkt sich der Unter- richt hauptsächlich auf diejenigen Formen, welche in der Umgebung und der Sammlung der Schule

unmittelbar angeſchaut werden können. Gute Abbildungen sind neben diesen Hauptanſchauungs-

gegenständen wertvolle Hülfsmittel, bilden aber ohne dieselben nur einen dürftigen Ersatz, welcher freilich bei der unumgänglichen Behandlung wichtiger ausländiſcher Tiere und Pflanzen und auch sonst manchmal nicht zu entbehren ist. In die Befchreibung und V ergleichung der Pflanzen und Tiere haben Mitteilungen über die Lebensweise der betrachteten Arten(Lebensbilder), ihre Be- ziehungen zum Menfchen(Nutzen und Schaden) und über ihre natürliche Umgebung belebend ein- zugreifen. Doch ist den sogenanntenLebensgemeinſchaften kein wesentlicher Einfiuß auf die Anordnung des Unterrichtsstoffes zu geben- Einfache ſchematiſche Zeichnungen, welche die Schüler von Quinta ab während des Unterrichts entwerfen, bilden ein vortreffliches Mittel zu gleich- zeitiger Bethätigung von Auge und Hand, wie zu sicherer Auffassung und treuer Einprägung der beobachteten Naturgegenstände. Blattformen, Blütenformen und Blütenstände, Querſchnitte durch Früchte, Formen des Vogelſchnabels und Vogelfußes, mannigfache Gestalten der Hörner und Ge- weihe werden hier hauptsächlich zu berücksichtigen sein(vergl. Lehrstoff für Quarta).

Sexta.

a) Botanik. Lehraufgabe: Beſchreibung vorliegender Blütenpflanzen; im Anfchluß daran Erklärung der Formen und peile der Wurzeln, Stengel, Blätter, leicht erkennbarer Blütenstände und Früchte.

Der Schüler muß zunächst die Hauptorgane der Pflanze kennen lernen,

ehe zur Betrachtung der besonderen Formen geſchritten werden kann. Dies kann an 4 5 Pflan- zen, welche alle Organe deutlich zeigen, gelchehen. Hierzu eignen sich im Beginn des Schuljahres: