Jahrgang 
1886
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mére haben sol. weist wol, daz ich den sünder wol fünf tüsent jar han gehabet. 4

G.: Niht! ich wil dir daz erziungen, daz ich den sünder sit alliu jar versprochen hän unde gevordert haân als ich von rehte solte mit patriarchen unde mit andern minen boten. Var üz! der sünder ist mit rehte min.

T.: Nein! ich hàn noch mer üf in ze sprechen. Herre, weist wol, daz ich eine hantveste hau, daz der sünder min ist, wenne er din gebot zerbraeche, daz er mit rehte min waere.

G.: Nein! din hantveste ist valsch unde gelogen, wan ich die hantveste alsô hete geschrieben, swenne der sünder min gebot zerbraeche daz er müeste sterben; gehieze dem sünder, er erstürbe niht: daà mite ist sie valsch unde gelogen.

T.: Ich hâan noch mér üf in ze sprechen.

G.: Waz wilt üf in sprechen?

T.: weist wol, swenne der sünder die sünde getuot, ist ez ein gröz dinc umbe die sünde daz er sie niemer mêr gebüezen kan noch gebüezen mac.

G.: Haete ich für den menschen niht gebüezet, mõöhtez wol sin u. s. w.

Es ist dies, glaub' ich, etwas, was nicht zu übersehen ist. Aber freilich zuviel Gewicht dürfte der Sache nicht beizumessen sein. Jedenfalls hat Berthold seinen eigentlichen Platz, wo von der Entwicklung der Prosa die Rede ist. Wenn wir nun Berthold den Schöpfer der deutschen Prosa nannten, so wollen wir das natürlich nicht so verstanden wissen, als habe es vorher gar keine Prosa gegeben. Die Anfänge der Prosa gehen ja sehr weit zurück. Schon in der allerersten altdeutschen Zeit, soweit sie in den Bereich der Litteraturgeschichte fällt, erklingt die Missionspredigt und versucht man sich in Uebersetzungen lateinischer Werke, die auf die Mission Bezug hatten. Es sind das aber doch sehr unvollkommne Anfänge, und man kann darin höchstens die ersten Gehversuche der prosaischen Rede erblicken. Die Versuche werden dann fortgesetzt in der karolingischen Zeit, und die Verdeutschung der Evangelien-Harmonie des Ammonius zeigt uns eine schon fortgeschrittene Fähigkeit der Prosarede sich zu bewegen. Zu einer Art von Sicherheit gelangt sie dann in der sächsisch-fränkischen Periode. Schon die Uebersetzungen und Erklärungen der Sanktgaller lassen einen gewandteren Fluss der Rede erkennen, namentlich aber die Predigten aus derselben Zeit sind zu nennen als Zeichen, dass nunmehr die Selbständigkeit eingetreten ist. Eine gewisse Schüchternheit der Bewegung ist aber auch hier nicht zu verkennen. Man lese die in der Wackernagelschen Sammlung gegebenen Predigten und man wird finden, wie gern sich die deutsche Rede anlehnt an die lateinischen Bibelworte und wie sie sonst vorsichtig einhergeht, als fürchte sie bei grössern Schritten zu fallen. Aber eine gewisse Höhe der Entwicklung hat sie allerdings hier schon erreicht. Von dieser Höhe steigt sie dann gegen Ende des altdeutschen Zeitraums wieder herab; wir sehen die Reimprosa entstehen. So kommt sie in die mittelhochdeutsche Zeit hinüber. Der mächtige Aufschwung, den hier bald die Poësie nahm, wurde nicht begleitet von einer ähnlichen Erhebung der Prosa. Das geschah erst, als jene wieder sank, und es geschah eben durch unsern Berthold. Bei ihm sehen wir picht nur die schon innegehabte und dann wieder aufgegebene Höhe zurückerobert, sondern in kühnem Anlaufe dringt er weiter vor fast bis zu dem höchsten überhaupt erreichbaren Gipfel. Hier erst ist diejenige Freiheit und Sicherheit vorhanden, die die prosaische Rede haben muss, um als würdiges Gegenstück zur entwickelten Poësie gelten zu können. Berthold spricht