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Aber unzweifelhaft empfing auch dieser grosse Meister die ersten Anregungen von den Thatsachen der Natur, wenn er auch ziemlich schnell zur spekulativen Initiative überging, und zog durch möglichst exakte Ermittelung des Fallraumes in einer bestimmten Zeit das rein Thatsächliche in die Rechnung.
Die durch Beobachtung, Experiment und Messung gewonnenen komplicierten Gesetze sind als die Folgen der Zusammenwirkung einfacherer Gesetze nachzuweisen; für die nicht ganz sicheren Gesetze sind andere zu ermitteln, auf welche wir uns besser verlassen können; die scheinbar einander fremden Erscheinungen in Zusammenhang zu bringen. Nicht immer ist dieses vielseitige Geschäft der Naturerklärung leicht zu vollziehen. Vergebens bemüht man sich, die Eigenschaften des Wassers aus denen seiner Elemente zu erklären. Aber das Gesetz von der Bewegung schief in die Höhe ge- worfener Körper lässt sich aus dem einfacheren Gesetze des freien Falles und dem Princip der Be- harrung herleiten. Wir wissen ferner, um auf ein vorhin genanntes Beispiel(No. 5) zurückzukommen, dass durch unsere Stimme die Platte des ersten Telephons in Schwingungen versetzt wird, dass diese Schwingungen den Magnetismus verändern und infolge dessen elektrische Induktionsströme in der nach dem zweiten Telephon führenden Leitung erregen u. s. w. In eine Menge von Gesetzen also löst sich das eine sehr komplicierte auf, Gesetze sämtlich von grösserer Einfachheit, grösserer Allge- meinheit und Sicherheit.
So subsumiert man endlich das Gesetz der Schwere und der Planetenbewegung unter das allgemeine Gravitationsgesetz. In dieser Richtung bewegt sich die Erklärung, wenn man die Ursache der Wärmeerscheinungen oder noch allgemeiner die Ursachen aller Phänomene, welcher Art sie auch sein mögen, in ihrer letzten Grundlage als mechanische Kräfte ansieht. Man gelangt dann zuletzt zu der genannten Weltformel, der einfachsten und vollkommensten Beschreibung oder Erklärung der ganzen Natur.*)
Hat man das Gesetz eines Punktes, welchem plötzlich eine bestimmte Geschwindigkeit gege- ben wird, und auch das Fallgesetz auf irgend eine Weise festgestellt, so lässt sich daraus unter Zu- ziehung des Erfahrungssatzes vom Parallelogramm der Bewegungen die Bewegung eines Punktes, welcher gleichzeitig infolge eines sogenannten momentanen Stosses und der Schwere sich bewegt, berechnen. Statt der Rechnung kann man sich der Konstruktion bedienen: das Wesentliche ist die Folgerung, die Deduktion. Dass das Ergebnis der Deduktion das Gesetz einer wirklichen Naturthat- sache, der Bewegung eines geworfenen Körpers sei, vermuten wir. Sicherheit aber gewährt erst die Vergleichung des Schlusssatzes mit den Resultaten der direkten Beobachtung. Während die New- tonsche Theorie in den Kepplerschen Erfahrungssätzen ihre Bestätignng findet, stimmt die Theorie der Wurfbewegung mit der Erfahrung nicht überein. Doch bildet sie ein wesentliches Element der Erklärung.
Dreierlei ist also für eine theoretische Erklärung einer komplexen Naturerscheinung oder eines empirischen Gesetzes erforderlich:
1. Man muss zunächst die Gesetze aller einfachen Erscheinungen, aus welchen jene zusam- mengesetzt ist, numerisch genau kennen, eine Bedingung, welche nicht immer erfüllt ist, indem
einzelne der mitwirkenden Ursachen gar nicht oder doch ihrer Quantität nach nicht exakt genug be- stimmt sind.**)
*) Dühring. Krit. Gesch. 4. Abschnitt. 3. Kap.§ 187. **) Lange log. Studien S. 95. Die meisten Sätze, von denen die Deduktion beginnt, sind induktiver Natur und nicht Ausdruck unzweifelhafter Wirklichkeit.


