Jahrgang 
1881
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Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, dass diese Reihen aus leicht erkennbaren Gründen(wegen der Unvollkommenheit des Apparates, der Ungenauigkeit der Ablesungen etc.) zur Bestimmung des Brechungsexponenten wenig geeignet sind und für einen solchen Zweck keinen Anspruch auf wissen- schaftlichen Wert haben. Ich schreibe denselben aber einige didaktische Bedeutung zu. Der Schüler übt sich bei ihrer Aufstellung im Beobachten, lernt, wie die Mathematik in der Physik Verwendung findet und wie man aus einer Gruppe von Erscheinungen das allgemeine Gesetz abstrahirt. Begriff und Gesetz der Brechung kommen dabei ebenfalls deutlich zur Anschauung. Hiermit aber ist das We- sentliche geleistet, was von dem physikalischen Unterrichte im Gymnasium gefordert werden darf. Eine solche Anleitung von der einzelnen Wahrnehmung auszugehen und durch Combination der Wahrnehmungen zum Gesetz vorzuschreiten, wie sie in einfachster und anschaulichster Weise im physikalischen Unterrichte geboten wird, sollte dem künftigen Studirenden nicht vorenthalten werden; denn in der Gegenwart streben fast alle Wissenschaften danach zunächst die Thatsache festzustellen, und erst nachher suchen sie den Grund zu erfassen.

Die mathematische Entwickelung lässt allerdings die einzelne Thatsache aus ihrem Grunde, das Brechungs-Gesetz aus der Vibrationshypothese hervorgehen, aber die Schüler fassen den Zusam- menhang in der Regel nur unvollkommen oder vorübergehend auf.(Herr P. Reis hat zwar andere Erfahrungen gemacht cf. sein Lehrbuch der Physik, Vorwort der 1. Auflage.) Der Aufwand von Arbeit und Zeit, welchen die Deduction erfordert, verhindert ferner ein längeres Verweilen beim Experiment, so dass die Wichtigkeit desselben, wie der Erfahrung überhaupt, für jede Naturkenntnis nicht zur Anerkennung kommen kann.

Deshalb wäre zu wünschen, dass im physikalischen Unterrichte auf den Gymnasien die Ex- perimente in dem durch das vorliegende Beispiel erläuterten Sinne mehr ausgenützt würden, als nach den verbreiteten Schulbüchern zu urteilen gegenwärtig geschieht.

Wetzlar, den 31. Januar 1880.

Dr. Fehrs.