15
gegeben wurde, an der in jeder Hinsicht höchst genussreichen Versammlung in Wiesbaden in den Tagen vom 25. bis 29. September theilzunehmen. Die Herbstferien dauerten auf diese Weise vom 20. August bis zum 29. September.
Die Weihnachtsferien begannen am 24. December 1877 und endigten mit dem 5. Januar 1878.
Auch in diesem Schuljahre blieb das Gymnasium leider nicht von Todesfällen verschont. Am 12. Januar 1878 starb nach langer Krankheit ein braver und sehr strebsamer Schüler der Anstalt, der Oberprimaner Richard Keller aus Wetazlar, Sohn einer Wittwe. Wenige Tage nach seiner Meldung zu der im Juni beginnenden Abiturientenprüfung erkrankte er; sein Eifer bei schon ge- brochener Körperkraft und seine Zuversicht, nach baldiger Genesung an der Prüfung noch theilnehmen zu können, waren rührend, aber leider vergeblich: nach 8 Monaten erlag er der Krankheit. Die Lehrer und Schüler der Anstalt begleiteten ihn am 15. Januar zu seiner letzten Ruhestätte.— Am 1. Februar starb der Rendant des Gymnasiums, Bürgermeister a. D. Waldschmidt im eben be- gonnenen 83. Lebensjahre. Seit dem Jahre 1838, also 40 Jahre lang, hatte er in unwandelbarer Treue und mit musterhafter Genauigkeit und Umsicht sein Amt verwaltet. Das Lehrercollegium und die Schüler der 3 oberen Klassen schlossen sich dem fast unabsehbaren Gefolge der Leidtragenden bei seinem am 4. Februar stattfindenden Begräbnisse an.
In der Woche vom 18. bis 23. Februar wurde die schriftliche Abiturientenprüfung abgehalten. Am 22. März fand zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers in der festlich geschmückten Aula unter zahlreicher Betheiligung von Freunden der Anstalt ein öffentlicher Festact
statt. Nach den Gesängen und Deklamationen der Schüler hielt Gymnasiallehrer Dr. Glaser die Festrede:»Ueber Theodor Körner, den Sänger von Leier und Schwert.-«
Am darauffolgenden Tage, den 23. März, fand unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial-Schul- rath Dr. Höpfner die mündliche Abiturientenprüfung statt. Sämmtliche 5 Abiturienten erhielten das Zeugniss der Reife; einer wurde von der mündlichen Prüfung dispensiert(s. S. 16).
Im verflossenen Schuljahre ist, wie in den früheren Jahren, die Einrichtung eines s. g. Silentiums ermöglicht worden. Es wird den Eltern dadurch die Gelegenheit gegeben, ihre Söhne täglich in etwa 2 Stunden unter der Aufsicht eines Lehrers die Schularbeiten anfertigen und neben zweck- mässiger Zeiteintheilung ihnen Anleitung zum Arbeiten zu theil werden zu lassen.
Mitglieder des Gymnasial-Verwaltungs-Raths sind ausser dem Director die Herren Kreisgerichtsrath Westphal und Oberpfarrer Roebenacke.


