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Im Anfang November wurde Dr. Sachse durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schul- Collegiums aus seiner hiesigen Stellung abberufen und einstweilen dem Gymnasium zu Hedingen bei Sigmaringen überwiesen. An seine Stelle trat Dr. Lopinski aus Posen, welcher bis dahin dem dortigen Friedrich-Wilhelms-Gymnasium als Hülfslehrer angehört hatte. Derselbe wird uns Ostern wieder verlassen, indem die 4. ordentliche Lehrerstelle durch den Dr. Saalfeld, bis dahin am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Cöln beschäftigt, definitiv wieder besetzt wird.
Leider verlor das Gymnasium in dem abgelaufenen Zeitraume zwei brave Schüler durch den Tod. Am 28. Januar 1875 starb nach längerer Krankheit der Sextaner Ernst Schellenberg aus Wetzlar, nachdem schon im Jahre vorher sein redliches Streben durch mehrfache Krankheit eine langdauernde Unterbrechung erlitten hatte. Lehrer und Schüler begleiteten ihn am 30. Januar zu seiner letzten Ruhestätte. Am 17. Februar 1876 starb nach 14tägiger Krankheit in seiner Heimat der Quartaner Friedrich Rehorn aus Schwalbach, Sohn einer Lehrerwitwe, nachdem kaum ein Jahr zuvor sein Vater ihm im Tode vorangegangen war.
Am 26. November 1875 entschlief nach langer Krankheit in Erfurt der vormalige Professor am hiesigen Gymnasium Dr. Samuel Christoph Schirlitz im fast vollendeten 78. Lebensjahre. Derselbe war Ostern 1860 in den wohlverdienten Ruhestand getreten, nachdem er 37 Jahre lang als Lehrer unserer Anstalt angehört und auch ausserhalb des Schulkreises durch verschiedene literarische Erzeugnisse sich verdiente Anerkennung erworben hatte.
Am 10. März d. J., dem hundertjährigen Geburtstage der unvergesslichen Kkönigin Luise, fand in den beiden letzten Vormittagsstunden eine patriotische Schulfeier statt, bei welcher Professor Proeller die Festrede zum Andenken an die erlauchte Frau hielt, welche in den Zeiten des tiefsten Leidens so opferfreudig an der Erhebung des Volkes mitgearbeitet und allen kommenden Geschlech- tern ein hohes Beispiel weiblicher Tugend gegeben hat.
Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs fand am 22. März in der Aula des Gymnasiums ein öffentlicher Festact statt.
Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Fehrs:»Eine Aufgabe der Schule im nationalen Leben Deutschlands«.
Im verflossenen Schuljahre ist, wie in den früheren Jahren, die Einrichtung eines s. g. Silentiums ermöglicht worden. Es wird den Eltern dadurch die Gelegenheit gegeben, ihre Söhne täglich in etwa 2 Stunden unter der Aufsicht eines Lehrers die Schularbeiten anfertigen und neben zweck- mässiger Zeiteintheilung ihnen Anleitung zum Arbeiten zu theil werden zu lassen.
Mitglieder des Gymnasial-Verwaltungs-Raths sind auser dem Director die Herren Kreisgerichtsrath Westphal und Oberpfarrer Roebenacke.


