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III. Chronik des Gymnasiums.
Das neue Schuljahr begann Montag, den 21. September 1874.
In der Woche vom 8. bis 13. Februar 1875 wurde die schriftliche Abiturientenprüfung abge- halten. In der am 9. März unter dem Vorsitz des Herrn Oberpfarrer Roebenacke als Königl. Commissar vorgenommenen mündlichen Prüfung wurde dem Abiturienten Bingel das Zeugniss der Reife ertheilt(siehe S. 20).
Durch Patent seiner Excellenz des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten Dr. Falk vom 13. März 1875 wurde dem 2. Oberlehrer Victor Meyer in Rück- sicht seiner anerkennenswerthen Leistungen der Titel»Professor« verliehen, und wurde dies den Lehrern und Schülern beim Beginn des Sommersemesters in der Morgenandacht vom Director zur Kenntniss gebracht. Leider wird dieser durch 14jährige erfolgreiche Thätigkeit um unsere Austalt wohlverdiente Lehrer uns zu Ostern d. J. verlassen, um der ehrenvollen Berufung als 1. Oberlehrer an das Gymnasium zu Hersfeld Folge zu leisten.
Zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand am 20. März in der festlich geschmückten Aula ein öffentlicher Festact statt. Die Festrede hielt Professor Meyer:»Ueber die Königin Luise«.
Nach dem Schlusse der Osterferien verliess uns der 4. ordentliche Lehrer Dr. Carl Hessel, um die Direction der evangelischen höheren Töchterschule zu Coblenz zu übernehmen. Zu vorläufiger Uebernahme der durch diesen Abgang vacant gewordenen Lehrerstelle und zugleich zur Ableistung des pädagogischen Probejahres trat Dr. M. Sachse aus Merseburg in das Lehrercollegium ein.
Mit Beginn des Sommersemesters 1875 wurde die durch Verfügung des Königlichen Provinzial- Schul-Collegiums angeordnete Umlegung des Schuljahres auf die Zeit von Ostern zu Ostern in der Weise angebahnt, dass der Cursus der 3 untern Classen sofort mit Ostern begann, nachdem die reiferen Schüler aus Sexta und Quinta in die nächst höheren Classen versetzt und neue Schüler in die Sexta aufgenommen waren. Aus den Classen Quarta, Tertia und Secunda fand die allgemeine Versetzung im Herbst 1875 statt. Da das mit dem 21. September begonnene Winter- semester verhältnissmässig lang war, wurde es ermöglicht, ein Jahrespensum der 3 oberen Classen. in diesem Wintersemester nahezu zu absolvieren, so dass von jetzt an die Hauptversetzung durch alle Classen mit Ostern beginnen kann. Die Hauptprüfung der Abiturienten im Herbst wird nur noch zweimal, 1876 und 1877, von da an regelmässig zu Ostern stattfinden.
Am 1. Juni traf Herr Professor Euler von der Königl. Central-Turnanstalt zu Berlin hier ein, um im Auftrage des Herrn Ministers von dem Stande und Betriebe des Turnwesens Kenntniss zu nehmen. 3
Nachdem die schriftliche Abiturientenprüfung für den Herbsttermin in der Woche vom 31. Mai bis 5. Juni stattgefunden hatte, wurde unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Höpfner die mündliche Prüfung am 30. und 31. Juli abgehalten(siehe S. 20)
Die Herbstferien dauerten vom 16. August bis zum 18. September.


