Jahrgang 
1874
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der immergrünen Oelbäume! Am Bach stehen Frauen und Kinder, waschend und plaudernd, Land- leute sind an der Arbeit oder begeguen uns mit ihren Eseln; zu unsern Füssen ist frischer Rasen, da blühen Veilchen, die duftende Muscari, die leuchtende Narzisse, bunte grossblumige Anemonen in reizendem Farbenspiel von weiss durch alle Schattirungen des roth und violet hindurch; hier spriessen Myrthen, Epheu und Oleander, hier Feigen, Granaten und Weinstöcke, Orangen und Lorbeer; Herden weiden in der Ferne, einsame Kapellen, wie sie in Attika so zahllos zu finden sind, treffen Etwas seitlich ausserhalb des Oelwaldes liegend, ein halbes Stündchen von den letzten Häusern der Stadt entfernt, ragt ein flacher Hügel empor, Kolonos, überwuchert von Asphodelos, der Blume der Todten; zwei weisse

wir hier und da, umgeben von roth blühenden Mandeln und Pfirsichen.

Grabsäulen schimmern oben: unter der einen ruht Lenormant, unter der andern Otfried Müller. Hier ist geweihter Boden, diesen Ort umschweben wie wenige die Geister der Vorzeit: hier grünten 12 heilige Oelbäume(uοαοια, die ersten Absenker des von Athene auf der Burg geschaffenen Baumes; hier standen Altäre für Athene und Zeus Morios, den Oelbaumbeschützer, aber vor allem ehrte man dort Poseidon, denn hier gerade sollte er nach heiliger Sage das Ross gebändigt und den Menschen gegeben haben: sein Tempel krönte den Hügel. Auch die Eumeniden hatten in der Nähe einen heiligen Hain, in dem Oedipus Ruhe fand, der müde, blinde, verbannte Pilger, hier war die eherne Schwelle, durch die Theseus einst in die Unterwelt gestiegen war, durch die auch Oedipus eingehen durfte zum ewigen Frieden des Aidoneus. Hier in der Nähe, wo einst uralte Platanen die Gärten der Akademie beschatteten, pflegte Plato zu lehren, hier ist er auch begraben; seine Schule aber blühte hier bis tief in die christliche Zeit hinein. Hier ist Sophokles geboren, und er ist es, der am glänzendsten seinen Heimatsort verherrlicht hat, durch die Tragödie»Oedipus auf Kolonos«. Wie so melodisch hier umtönen uns jene herrlichen, schon im Alterthum hoch- gefeierten Chorstrophen mit den mächtig schwellenden und dann so sanft verlaufenden Toneswellen:

Eulnnou, Ssvs, rονεοεᷣ-

9do wou d adries να,

rOν ερνᷣα KOυννον, ννν

Strophe I. Auf des rosseberühmten Attika

Gesegnetster Flur stehst du, Wanderer, da, Auf Kolonos hellschimmernden Feldern; Wo in dichten Schaaren die Nachtigall Erklingen lässt klagenden Liedes Schall, Tief verborgen in blühenden Wäldern. Sie wohnt, wo sich dunkel der Epheu schlingt, Dran tausendfältig die Beere blinkt An den göttergeheiligten Zweigen.[Sonne Nicht Wintersturm wehet, es brennt nicht die Hier, wo sich in immer seliger Wonne Dionysos naht, von den Schaaren umringt Der Nymphen in festlichem Reigen.

d 2ιe᷑ αα νιιςera J᷑μαςαονσ μέαντν υ o WAcgats a oGo............. Antistrophe I.

Und üppig grünet jahrein jahraus, Von den Tropfen genähret des himmlischen Thau's, Der Narzisse schöntraubige Pflanze, Die von Alters her die Schläfen umwand Zween Göttinnen, mächtig in diesem Land, Und der Krokus in goldigem Glanze. Es versiegen die schlaflosen Quellen nie, Des Kephissos Fluthen entsenden sie, Der zwischen den schwellenden Hügeln Durchströmt die Fluren, mit lauterer Welle Sie ewig befruchtend. Von dieser Stelle Floh'n nimmer die Chöre der Musen und nie Aphrodite mit goldenen Zügeln.

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