Jahrgang 
1872
Einzelbild herunterladen

ρ

Chronik des Gymnasiums.

Das neue Schuljahr begann Freitag den 6. October 1871.

Durch Verf. vom 5. October 1871 ward dem bis dahin provisorisch angestellten Gymnasial- lehrer Hessel die 4. ordentl. Lehrerstelle verliehen.

Am 21. October starb der seit dem Jahre 1858 pensionirte Oberlehrer Graff im 82. Lebens- jahre; er war seit der Reorganisation der Anstalt im Jahre 1817 als Gymnasiallehrer angestellt. Die Lehrer und Schüler des Gymnasiums geleiteten ihn zu Grabe.

In den Tagen vom 12. 17. Februar fand die schriftliche, am 15. März die mündliche Abi- turientenprüfang unter dem Vorsitz des Herrn Oberpfarrer Roebenacke als königlichen Com- missar statt.

Einen sehr schmerzlichen Verlust erlitt das Gymnasium durch den am 9. März erfolgten Tod der Vorsteherin des Alumnats Fräulein Therese Seidensticker; sie starb nach Stägiger Krankheit in ihrem 63. Lebensjahre, nachdem sie seit der Gründung des Instituts im Jahre 1858 dasselbe mit grosser Umsicht und Treue und ununterbrochener Aufopferung ibrer Kräfte in segens- reichster Weise geleitet hatte und vielen Jünglingen eine echt mütterliche Pflegerin gewesen war. Das Lehrercollegium und die Schüler der Anstalt geleiteten sie zu ihrer letzten Ruhestätte.

Von Beginn des Sommersemesters an übernahm Fräulein Auguste Ulrich die Fortführung des Instituts.

Gemäss höherer Verfügung wird das Alumnat mit Ende des Schuljahrs eingehen.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde am 22. März im eugern Kreise der Schule durch Rede, Declamation und Gesang festlich begangen. Die Festrede hielt der Director: Ueber Verlust und Wiedergewinnung des Elsass insbesondere Strassburgs.

Die Osterferien sind um 3 Tage an Ende gekürzt und dafür die Pfingstferien bis zu Ende der Festwoche verlängert.

In den Tagen vom 26. 30. Juni fand die schriftliche Abiturientenprüfung statt; die münd- liche Prüfung wurde am 1. und 2. Juli unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Regierungs-Rath Dr. Landfermann als königlichen Commissar abgehalten.

Im verflossenen Schuljahre ist die Einrichtung eines s. g. Silentiums ermöglicht worden. Es wird den Eltern dadurch die Gelegenheit gegeben, ihre Söhne täglich in etwa 2 Stunden unter der Autfsicht eiunes Lehrers die Schularbeiten anfertigen und neben zweckmässiger Zeiteintheilung ihnen Anleitung zum Arbeiten zu theil werden zu lassen.

In den Herbstferien wird ebenso wie nach dem vorigen Schuljahre eine Ferienschule ein- gerichtet. Es wird in derselben den Schülern der untern Classen Gelegenheit geboten, täglich 2 Stunden unter der Aufsicht eines Lehrers im Schullocale Arbeiten anzufertigen und Repetitionen vorzunehmen. Die Leitung des Silentiums und der Ferienschule hat der Gymnasiallehrer Rüttger übernommen. Anmeldungen geschehen bei dem Director.