Die Urſachen des plötzlichen Erſtarrens überſättigter Salzlöſungen.
Nachfolgende Abhandlung iſt mit einigen Abänderungen eine von mir im Jahre 1868 gelöſte Preis⸗ aufgabe der philoſophiſchen Facultät zu Bonn. Die verſchiedenen Anſichten, welche bis dahin über die Urſachen des plötzlichen Erſtarrens überſättigter Salzlöſungen beſtanden hatten, insbeſondere ein Streit zwiſchen meh⸗ reren franzöſiſchen Chemikern und Phyſikern, hauptſächlich zwiſchen Gernier, Violette und Jeannel, der in der Zeitſchrift Compt. rend. de l'académie des sciences geführt wurde, und der beſonders durch die An⸗ ſichten und Unterſuchungen Jeannels die Löſung der Frage immer zweifelhafter machte, hatten die philoſo⸗ phiſche Facultät veranlaßt, die betreffende Preisaufgabe zu ſtellen. Obſchon ſpäter in der obengenannten Zeit⸗ ſchrift auf einige Fehler und Mängel der Unterſuchungen Jeannels von deſſen Gegnern aufmerkſam ge⸗ macht wurde, ſo findet ſich dennoch gegenwärtig kein einziges älteres oder neueres Lehrbuch der Phyſik oder der Chemie, welches nicht bei der Beſprechung der Löslichkeit der Salze alle oder doch einen Theil der Irrthü⸗ mer Jeannels enthielte. Möge gegenwärtige Abhandlung dazu dienen, die Verfaſſer chemiſcher und phyſika⸗ liſcher Lehrbücher auf die betreffenden Irrthümer aufmerkſam zu machen.
Die meiſten Salze, welche löslich ſind, haben eine verſchiedene Löslichkeit je nach der Temperatur des Löſemittels. So löſen ſich z. B. in 100 Theilen Waſſer bei 00 C. 13,32 Theile, bei 200 31,70 Theile und bei 600 ſogar 110,33 Theile kohlenſaures Natron. Bei vielen Salzen wird die verſchiedene Löslichkeit dadurch erklärt, daß man annimmt, daß das Salz ſich entweder als waſſerfreies oder mit einer beſtimmten Menge von Waſſer nach feſten Verhältniſſen verbundenes in der Löſung befinde. Das oft plötzliche Steigen oder Fallen der Löslichkeit eines Salzes bei verſchiedenen Temperaturen wird als ein Hauptbeweis für dieſe Annahme angeſehen. Soviel ſteht jedenfalls feſt, daß die Löslichkeit des Salzes nicht, wie man früher glaubte, auf der Wirkung der Wärme auf die Cohäſion der Moleküle allein beruht. Wenn eine beſtimmte Waſſermenge im Stande iſt bei einer beſtimmten Temperatur eine gewiſſe Menge eines Salzes aufzulöſen, ſo geht die Auflöſung durchaus nicht
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