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Am 22. März beging die Anſtalt mit Geſängen, Declamation patriotiſcher Gedichte und Reden die öffentliche Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Königs in der feſtlich geſchmückten Aula. In der Feſtrede wies der Gymnaſiallehrer Meyer„die Stellung des Hauſes der Hohenzollern zum Chriſtenthum“ nach. Der Primaner E. Rehorn aus Leun verſuchte in einer Rede eine„Charakteriſtik des großen Kurfürſten“ zu geben.
Den Tod zweier lieben Schüler hatten wir zu beklagen. Am 30. November ſtarb der Quintaner Hermann Wehrenbold an einer Unterleibsentzündung. Lehrer und Schüler begleiteten ihn am 1. December zu Grabe, an welchem ſeine Mitſchüler das Klopſtock'ſche„Auferſtehn, ja auferſtehn wirſt du ꝛc.“ ſangen, und der Director in kurzen Worten auf den einen Troſt, der uns am Grabe unſerer Lieben aufrichtet, hinwies. Am 21. April ſtarb der Quartaner O. Bangel in ſeinem elterlichen Hauſe auf dem Schmiedehofe bei Kraft⸗ ſolms am Nervenfieber. Leider war es wegen der weiten Entfernung vom Gymnaſialorte nicht möglich, daß die Schule auch dieſen lieben Schüler zu ſeiner Ruheſtätte begleitete.
Zu ſeinem großen Schmerze ſah das Lehrer-Collegium ſich genöthigt 2 Schüler von der Anſtalt aus⸗ zuſchließen.
Nach Verfügung des Königl. Prov. Schul⸗Colleg. vom 16. u. 17. Mai war es vom K. Miniſterium geſtattet worden, daß die Prüfung derjenigen der Prima im 4. Semeſter angehörigen Abiturienten, welche vor⸗ ausſichtlich in nächſter Zeit in die Armee eintreten müßten, vor dem vorſchriftsmäßigen Termine vorgenommen werde. Auf Grund deſſen fand am 2. Juni unter dem Vorſitze des Herrn Geh. Regierungsraths Dr. Land⸗ fermann die Prüfung von 1) H. Berns aus Wetzlar(will ſich dem Poſtfach widmen). 2) E. Rehorn aus Leun(will Theologie ſtudiren) ſtatt, und erhielten beide das Zeugniß der Reife. Die mündliche Prüfung der übrigen Abiturienten: 1) Ad. Roth aus Neunkirchen(will Theologie ſtudiren). 2) O. Waslé aus Schlitz, Großherzogth. Heſſen,(will Jurisprudenz ſtudiren). 3) G. Bepler aus Wetzlar(will Medicin ſtu⸗ diren). 4) Fr. Remy aus Neuwied(will ſich dem techniſchen Fache widmen) fand am 21. Auguſt ſtatt, und fungirte der Herr Pfarrer Röbenacke von hier bei derſelben als Königl. Commiſſar. Die mündliche Prüfung wurde dem Erſtgenannten erlaſſen. Alle erhielten das Zeugniß der Reife.
Das mit dem Gymnaſium verbundene Alumnat hatte in dieſem Schuljahre 11 Zöglinge. Daſſelbe ſteht unter Aufſicht des Directors und befindet ſich in dem mittleren Stock deſſelben Gebäudes, in deſſen unter⸗ ſtem die Dienſtwohnung des 3. Oberlehrers, in deſſen oberſtem Stock die des Directors ſich befindet. Dieſe Einrichtung gewährt den Eltern auswärtiger Schüler Gelegenheit gegen eine verhältnißmäßig ſehr geringe Ver⸗ gütung(160 Thlr. jährl. Penſion, vierteljährlich vorauszubezahlen; ſtellt der Zögling ſich ſelber Wäſche und Bett, 140 Thlr. Etwaige Kündigung muß ½¼ Jahr voraus geſchehen) auch außerhalb der Schule das Leben ihrer Söhne einer verſtändigen Leitung zu übergeben. Es kann wieder einige Zöglinge aufnehmen.
Vom 10. Juli an ſammelten die Gymnaſiaſten allwöchentlich in den einzelnen Claſſen für die Ver⸗ wundeten. Der Ertrag dieſer Sammlungen war bis zum heutigen Tage 42 Thlr. 18 Sgr. 7 Pf. Hiervon iſt an das Lazareth in Gr. Skalitz eine Kiſte mit 500 Citronen zum Betrage von 16 Thlr. 11 Sgr. und für die Verwundeten des weſtlichen Kriegsſchauplatzes zu Händen der Frau Ober⸗Präſident von Duesberg in Münſter 25 Thlr. geſendet worden. Der Reſt wird dem hieſigen Hülfsverein übergeben werden.


